DieWahrheit.eu Gonzojournalismus im Netz
12.15.2005
  Auf den Spuren der Menschlichkeit
Der menschliche Stuhlgang – im weiteren hier als „Kacken“ bezeichnet – ist das letzte große Mysterium der Menschheit. Wahrheit-Reporter „raf“ hat sich auf der Suche nach der Selbigen in die Untiefen der Verdauung begeben. An stille Orte voll duftender Wärme....

...Es ist schon seltsam, mit welcher Missachtung, wenn nicht sogar Verachtung, einer der alltäglichsten und überlebensnotwendigsten Vorgänge der Menschheit gesegnet ist. Kacken ist nicht Teil der Öffentlichkeit, sogar das Feuilleton schweig naserümpfend.
Die Recherche bringt den Beweis der Vermutung: Im Archiv der österreichschen Nachrichtenagentur APA finden sich rund ums Kacken gerade mal 80 Meldungen. Und das bei rund 5,1 Millionen Datensätzen. Terminologisch gliedert sich das Suchergebnis in „Kacken“ (2 Titel), „Scheißen“ (27 Titel), Scheissen (3 Titel), Stuhlgang (36 Titel), Neger abseilen (0 Titel), Koten (12 Titel) und – last but not least – Fäkalisieren (0 Titel).
Noch bedrückender wird das Ergebnis der Exkrementierung, wenn man sich die eigentlichen Themen der gefunden Artikel ansieht. Unter dem Schlagwort „Scheißen“ erschienen Artikel wie „Karlheinz Hackl ist zurück im ORF“, unter „Koten“ waren Headlines wie „UBS startet Goodwill-Aktion für Swissair-Nachfolgerin“ oder auch „Gedenkplatte für Dubcek in Tschechien enthüllt“ zu finden. Da liegt doch der Schluss nahe, dass Kacken medial gar nicht stattfindet... was schade ist.
Noch deutlicher wird die völlig verdrehte Wahrnehmung der Medien, wenn man die Anzahl der Artikel, die vom Kacken handeln, mit denen vergleicht, die Mord als Inhalt haben. Zum Mord findet die APA-Datenbenk 19532 Artikel. Medial gesehen passiert also ein Mord 244 mal häufiger als Kacken. Kann das sein?
Höchst undemokratisch diese Medien. Der nun folgende Erfahrungsbericht ist ein Versuch dem Kacken wieder den Platz zu geben, den es verdient:

Oh Mann, Alter! Es ist wirklich beschissen, wenn Du grad an einer Geschichte über Kacken schreibst und Du dabei selbst die ganze Zeit Scheißen musst, wie ne Senfkuh. Alter das macht dich echt fertig.... übers Kacken nachdenken, während sich der braue Sonderzug mit unwiderstehlicher Kraft seinen Weg ins Freie zu bahnen versucht. Also das muss jetzt schnell gehen, sonst passiert mir hier noch ein kot-mäßiges Eschede... dann fliegen die Fetzen...

Also: Grundsätzlich kann ich aus meiner Erfahrung heraus drei Grundformen des Kackens definieren. Erstens, das Kacken in einer wie auch immer gearteten Form von Privatsphäre. Also beispielsweise das heimische Klo. Zweitens, das halböffentliche Kacken (z.B. in öffentlichen Toiletten mit oder ohne Bedienung) und drittens das öffentliche oder auch offizielle Kacken (An Bahndämmen, in Parks auf dem Gehweg, die Rückwand einer Dönerbude usw.).
In privater Atmosphäre kannst Du dich voll gehen lassen: Furzen, Rauchen, Lesen... das volle Programm. Es sei denn die frische Freundin ist da und Du musst befürchten, dass sie irgendwann in den nächsten sieben Stunden auch den Orkus besuchen will. Aber das legt sich nach ein paar Monaten.
Halboffizielles Kacken lässt diese wohlige Vertrautheit vermissen. Außerdem ist auch nie eine Zeitung zur Hand. Es sei denn Du bist in der Toilette an der U2 Museumsquartier in Wien. Grinse-Ali holt dir auch schon mal die Zeitung und schiebt sie unter dem Gatter durch, wenn man danach verlangt.
Offizielles Kacken selbst gliedert sich wiederum in zwei Subkategorieen. Das offizielle Kacken als Menschliche Notwendigkeit z.B. auf Rockfestivals und dem öffentlichen Kacken als Akt politischer Subversion. Dementsprechend sind auch ganz unterschiedliche Herangehensweisen zu beobachten. Sonja zum Beispiel hatte bereits 45 Minuten vor den blauen Einwegkabienen des Forrestglade-Festivals gewartet, bevor sie sich zu einem kühnen Sprung ins Gebüsch traute. Dass ich ihr folgte, war mehr Boshaftigkeit als wissenschaftliche Neugier, aber das tut jetzt nichts zur Sache. Ich fand Sonja, oder Miss Angstschweiß, wie ich sie seitdem gerne nenne, in einer durchaus asiatisch aussehenden Hockhaltung keine 200 Meter von der halböffentlichen Scheißgelegenheit in einem Busch versteckend vor. Meine Anwesenheit muss sie beunruhigt haben, denn als ich ihr noch eine gute Verrichtung wünschend meinen Block für ein Interview zückte, war sie schneller verschwunden, als ein Parlamentarier bei einer Dietendebatte. Eine spätere Examination der hinterlassenen Beweise erhärtete den Verdacht eines überstürzten Abbruchs der Aktion.

Oioioioioioio...Jetzt wird’s langsam ziemlich ernst... der Kackstift drückt mit immenser Kraft auf meinen Beckenbodenmuskel. Ich habe Krämpfe, kleine glühende Staubkörner ziehen vor meinen Augen dahin... Konzentration treibt mir den Schweiß auf die Stirn... es kann nicht mehr lange dauern.

Kacken als Ausdruck politischer Subversion hat meist zwei philosophische Hintergründe. Erstens, dem allgemeinen Gefühl von Wurstigkeit auch handfesten Ausdruck zu verleihen; sozusagen auf alles zu Scheißen. Zweitens als Akt der ganz persönlichen Geringschätzung einer Person oder Institution. Auf Gedanken zu scheißen, erwies sich auch nach ausgiebigen Experimenten als nicht praktikabel.
Vorreiter des Kackens als Akt politischer sowie gesellschaftlicher Subversion ist der Thomas „Rimmjob“ Horvath aus Biberach an der Riß. Thomas ist 46, arbeitet als Tankwart an der Aral-Tankstelle unweit der B30 und war früher einmal Profiboxer. Thomas hat das Kacken wieder in die Kultur eingeführt. Er scheißt mit Vorliebe an und auf Bildungseinrichtungen. Am liebsten Volkshochschulen und Kabinen von Pornokinos. „Das gibt mir das Gefühl etwas bewegen zu können“, sagt Thomas. Am liebsten ist der resolute Oberschwabe in der Konstanzer Altstadt unterwegs. Die sei nämlich im wahrsten Sinne des Worte auf Scheiße gebaut, weil die Konstanzer seit der Römerzeit in den Bodensee kackten und die Stelle auf der heutedie Altstadt steht auf diese Wiese verlandet sei.
Dabei kackt Thomas nicht einfach nur wahllos... nein, seine Aktionen bedürfen penibelster Vorbereitung. „Die Farbe und Konsistenz müssen stimmen“. Für Pornokinos zum Beispiel isst Thomas vor der Aktion mindestens eine Woche lang ausschließlich rote Beete. Für Volkshochschulen ernährt er sich mehrere Tag nur von Bier und rohen Eiern. „Das ist genau das, was ich von Bildung halte.“

Nachtrag: Puhi.. das war knapp... fühle mich ausgesprochen erleichtert, wohlig und entspannt. Interessanterweise hat Kacken, wenn man wirklich muss, was von einem männlichen Orgasmus. Du kämpfst, Du spannst jeden Muskel in Raum und Zeit existieren plötzlich nicht mehr, Gedanken werden zerfetzt. Dann hältst Du es nicht mehr aus und lässt es einfach passieren... Im ersten Moment ist der Schmerz unausweichlich, wird aber sofort übertüncht von einem Gefühl des Glücks, während Du dich entleerst zuckt dein Körper unkontrollierten Muskelkrämpfen... abwischen... einschlafen. (raf)
 
Comments:
Ich find's ja ausgesprochen interessant, dass, als ich den Artikel öffnete, google-adds eine Werbung für SOS-Kinderdörfer schickte.
Leuten, die sich für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema "Kot" interessieren, sei der DVD-Shop in der Grazer Annenstraße ans Herz zu legen. Der Schriftzug "Jede DVD 5 Euro" hat mich in die Siberscheiben-gewordene Kakophonie der Fäkal-Pornographie geführt. Die Bilder werd ich nie wieder aus meinem Kopf kriegen.
 
Bei mir brachte Google-Adsense den "Bund Naturschutz" als Werbung... auch nicht schlecht... Lang lebe Adsense, der einzig wahre Held des DaDa...
 
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