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12.12.2005
  Die Omma aufm Schüttelrost
Benares - das Fremdeste, Abartigste, Wildeste, Verrückteste, was Indien zu bieten hat. Gleichzeitig auch das Heiligste, was Indien zu bieten hat und dann, wenn man den Schüttelfrost abgeschüttelt hat fragst Du Dich: Wer ist hier verrückt und wahrscheinlich ist die Antwort unerfreulich.
Der Flug in dem altersschwachen Airbus der Indian Airlines ist an sich schon der Weg in die Hölle. Nur war mir nicht klar, dass der Weg wortwörtlich zu nehmen war. Zumindest was die katholische Sichtweise der Dinge angeht. Wie gesagt, der Flug war die Hölle, Alter... aber mit Shivas Hilfe und Ganeshs Wohlwollen landete die Krüppelkiste doch tatsächlich in einem Stück.
Berauscht von soviel Glück verspührte ich einen ordentlichen Kohldampf auf der Taxifahrt vom Flughafen zum Hotel. Und mitten in diesem typisch indischen Radau aus Rikschah-Qualm, Autohupen und Harakiriradlern plötzlich dieser Duft. Dieser unnachahmliche süße Duft, der mich an diese Grillparty erinnerte... Du weißt schon die mit den Burgern auf dem Rost und dem Bier und dem geilen Sonnenuntergang... ja, genau dem und verdammt, die Burger waren gut. Nach drei Wochen voll mit vegetarischem Hindufutter, das zu allem Überfluss auch noch fürchterliche Blähungen verursacht, riecht auch die Hundescheiße am Straßenrand wie ein Viertelpfünder Medium, aber dass... dass diese ganze verdammte Stadt nach eben diesem Viertelpfünder duften muss... das ist einfach zu viel. Ich will jetzt einen Burger... jetzt sofort und zwar nicht diesen abgefuckten McDonalds Scheiß. Und schon gleich garnicht in Indien...wie zum Teufel soll man in einem Land einen anständigen Burger bekommen, wo die Kühe heilig sind. Und wo der Big Mac Mac Maharadsha heißt und aus Lamm ist. Son Scheiß, Alter! Und das Perfide an der ganzen Situation ist der verdammte Duft, der in dieser Stadt hängt.
Noch alptraumhafter wird die ganze Geschichte, wenn man dem Duft, diesem wunderbaren Burgerduft, der dieses unglaubliche Verlangen nach einem saftigen Stück Rindfleisch hervorruft, auf den Grund geht. Aufklärung verschafft mir Sunjay, oder wie auch immer er heißt, als er mich am nächsten Tag den Ganges entlangrudert. "We got to the burningsite", sagt Sunjay mit seinem No-Problem-Sir-Grinsen. Wir fahren ein Stück deen Ganges hinunter. Vorbei an den 30 Meter Hohen Wänden der Häuser, die im Monusm die Wassermassen abhalten. Die aussehen wie eine Stadtmauer, nur dass sie völlig deplaziert direkt am Fluss Stehen. Bunt gestrichen, jedes in einer anderen Farbe, wie ein wilder Flashback mitten in Disneyland, das gerade frisch bombardiert wurde. Auf den Mauern trohnen die absonderlichsten Formen von Gebäuden, hängen über die Mauer, sind Teil der Mauer, rauch steigt auf. Am Ufer des Ganges schälen sich Gläubige aus dem Morgennebel, tauchen sich mit Ihren Gewändern oder auch nur mit Landenschurtz bekleidet in die Fluten, waschen sich. Die Sonne schick einen ersten Straht durch den Nebel. Trifft auf die Rauchschwade, die sich von einer wild vertürmelten russschwarzen Tempelanlage ausbreitet.
Das breiter werdende Grinsen von Rudersunjay signalisiert, dass wir angekommen sind. Vor der Tempelanlage sind Scheiterhaufen aufgebaut. Über des Scheiterhaufen schweben gestalten, abgedeckt mit weißen Tüchern. Damit ist endlich auch die Frage nach dem Grillgeruch gelöst. Allerdings nicht zu meiner lukullischen Befriedigung.
Alter, wie krank ist das denn: Die karren tatsächlich ihre tote Omma nach Benares und haun sie da aufn Schüttelrost. Das ist mal krass, Alter. Das erklärt auch, warum die Stadt voller Leichen ist... oh... hab ich das vergessen zu erzählen? An jeder Straßenecke zieht eine Prozession mit einer Leiche vorne Weg. Grinsesunjay 2 allerdings ist eher der technokratische Typ. Er hat die Omma lieber mit ein paar Schnüren auf das Autodach gepackt. Lässt sich so einfach besser transportieren. Aber zurück auf das Boot. Grinsesunjay 1 hat uns näher an das Open-Air-Krematorium herangefahren und faselt irgendwas von Benares...verbrennen...nicht...wiedergeboren...werden...Nirvana.
Ich bin immernoch fastiniert von den Details des Schauspiels. Jetzt, wo wir näher dran sind, kamm ich Details erkennen. Verkohlte Gliedmaßen, ein halbverbrannter Kopf, der süßliche Geruch ist ohrenbetäubend. Zwischen den Scheiterhaufen streunt ein Hund. Sucht nach Futter. Mir wird ein bisschen schlecht. Nicht, dass das die erste verkohlte Leichen sind, die ich sehe (wozu hat man denn TV) aber das Ritual ist so abartig. Ein Boot fährt an uns vorbei. Eine Kinderleiche mit Steinen beschwert... und ab über Bord in die Tiefen des Ganges. Ich tauche nach. Das Wasser schlägt über meinem Kopf zusammen. Ich tauche tiefer, die Augen fest verschlossen. Ich berühre Boden, Schlamm Pflanzenfasern, etwas weiches, dass ich nicht genau einschätzen kann. Prustend komme ich an die Oberfläche. Das rituelle Bad ist getan zwei Kilometer Flussabwärts steigen noch immer die Schwaden vom Verbrennungsplatz auf. Noch 2 Stunden bis der Flieger geht.
Als ich wieder im Airbus nach Bombay sitze ist das Verlangen nach einem Burger wieder da. (raf)
Dies hier ist eine Serie: Hier gehts zu Teil (1), (2)
, (3)
, (4)
 
Comments:
Geil. Nur, wie du dir ja wahrscheinlich vorstellen kannst, die Omma mit Doppel-m ist mir einfach zu heftig.
 
Was sind sie nur für ein widerliches Schwein. Finden Sie das lustig? Sich über die Kultur anderer Menschen lustig zu machen, sie in den Dreck zu ziehen. Sie widern mich an!!!!
 
hui, da fühlt sich wohl jemand auf den Schlips getreten, um im teutonischen Duktus zu bleiben. Ach, immer diese Kultur-Relativisten...
 
gut getroffen! ich war auch da....und wer hier deine beschreibung als "in den dreck ziehen" bezeichnet, der sollte mal an den ghats stehehn und den rauch einatmen. am schlimmsten fand ich die sterbekamme im turm neben den verbrennungsplätzen. dort warten die alten, schwachen und armen. da hat mich ein inder hingeführt und ich musste allen die hand zum abschied geben...und ein paar rupies für verbrennungs-dufthölzer. zusätzlich schockierend: die unterkasten-leute, die die asche der verbrannten nach goldzähnen und chmuck durchsieben...
 
Tja viele Menschen, viel Armut, viel Elend. Bin ich froh das ich in diesem schönen Land geboren bin, in dem keiner hungern muss und es weder Naturkatastrophen, Kriege oder Seuchen gibt (Vogelgrippe erkenn ich mal nicht als Seuche an)
 
ein kleiner dreckicker Arschlochsauhund,der sich auf den Bauch scheisst, in der Hoffnung dass ihn jemand beachtet.
Sie tun mir so leid, sie arme Sau.
Ihre Geschichten sind um kotzen.
 
Wow, mein erster Fan!!!
 
Was sind sie nur für ein gemeines
Schwein. Man sollte Sie aus dem Verkehr ziehen. Wenigstens darf
man hier jemand beschimpfen ohne verklagt zu werden, Sie Obersauhund!
 
Sie schwuler Jesus und Drecksau!
 
"sie schwuler Jesus und Drecksau"
Was für ein Kommentar. Unfassbar geil. Danke im Namen aller!
 
schwache geschichte, außerdem ist sie wirklich respektlos erzählt. aber das gehört halt zum gonzo journalismus, dass man andere sachen in den dreck zieht... sollte man sich halt nach was umschauen, das man ein bisschen versteht...
 
schwache geschichte, außerdem ist sie wirklich respektlos erzählt.

...hm... ja

aber das gehört halt zum gonzo journalismus, dass man andere sachen in den dreck zieht

...hm... ja

sollte man sich halt nach was umschauen, das man ein bisschen versteht...

ahso? was hab ich denn nciht verstanden?
 
Intelligent, urkomisch und sehr authentisch. Wertvollere Berichterstattung als in der konventionellen Dokumentation oder in Reisemagazinen. Allerdings hättest du Sanjey nicht seiner Individualität berauben sollen. Das ist NaziScheiße!
 
@al: Der Raub der Persönlichkeit von Sunjay 1- 24367 ist mitnichten Nazi-Scheiß. Wie Du den Artikeln unter den Röcken sind eiskalte Muschis bei "Fräulein Hirnschwulst" oder in Fräulein Billars Gespür für Schnee mit "Fetthaar-Frieda", oder "Hackfressen-Gernot" siehst, wirst du feststellen, dass dies nicht eine rassisch orientierte Erniedrigung ist, sonder eher eine Erniedrigung allen Menschen gegenüber. Ich mache dabei keine untersciede zwischen, Schwarzen, Indern, Juden, Moslems, Indios, Weißbroten, Rednecks, Skins, Russen, Türken, Nazis, Sozis, Kommies, Neo-Cons oder sonst wem. Die werden alle ihrer Identität beraubt, wenn sie für die Geschichte unerheblich sind. Außerdem wäre es nach Deiner Auffassung ebenso Nazischeiße, wenn ich einfach nur "ein Inder", oder "ein anderer Inder" geschrieben hätte. der Hat dann nämlich auch keine Identität.
 
Es geht mir hierbei um deine Abwertung dieser Leute dadurch, dass du sie in Bezug auf ihre Herkunft, Abstammung oder auch Nationalität verunglimpfst.
Der Punkt ist, dass du Inder, Russen und Türken, über denselben Kamm scherst wie Rednecks oder Nazis. Erstere kannst du erniedrigen aufgrund ihrer Nationalität oder Herkunft, und letztere aufgrund von Einstellungen und Standpunkten.
Wobei der Unterschied darin besteht, dass der Mensch nicht seine Herkunft, doch aber sich selbst bestimmen kann.
Und wenn es darum geht, eine Gruppe von Leuten zu verunglimpfen, ist es natürlich leichter Vorurteile zu bedienen als zu diskutieren, warum grade ein Einzelner, eine Gruppe oder ein Menschenschlag so ist, wie er ist (ob nun bemitleidens- oder verachtenswert).
Du kannst wegen der Geschichte(grade weil du Deutscher bist) auch nicht einfach den Wortlaut "ein Jude", sondern nur "ein jüdischer..." verwenden, denn das wäre ebendieser NaziScheiß, da das Bild von DIESEM einem Juden immernoch in den Köpfen steckt.
Was das betrifft ist EIN grinsender Inder etwas anderes als das von dir geschaffene Bild ALLER minderbemittelt vor sich hingrinsender Inder.
Und es ist doch auch so, das GrinseSunjay und der Nazi beide arme Säue sind.
Doch wen von beiden sollte man erniedrigen?
 
Die Argumentation ist holprig, vor allem, weil der Red-Neck auch als klassische Bezeichnung für einen US-Südstaatler dient. Dass der Mensch nicht seine Herkunft, doch aber sich selbst bestimmen kann, ist ein nett, naiver Zugang.
Du kannst wegen der Geschichte(grade weil du Deutscher bist) auch nicht einfach den Wortlaut "ein Jude", sondern nur "ein jüdischer..." So ein Blödsinn: Nach deiner Argumentation wäre "jüdischer Massenmörder" besser als "Jude". Jemand, der jüdischen Glaubens ist, der ist nun mal Jude, genauso, wie jemand der christlichen Glaubens Christ ist. Dein Argument mit der Auschwitzkeule ist nicht stichhaltig, denn es bezieht sich auf eine Kollektivschuld, die es in unserer Generation nicht gibt. Im Gegenteil führt die Argumentation, man dürfe nicht "Jude" sagen, dazu, dass sich Antisemitismus wieder verbreitet, weil es Menschen gibt, die sich fragen: Warum dürfen die "Israelis" (geht das denn eigentlich deiner meinung anch als Rundumbezeichnung) ungehindert und unkommentiert im Libanon wüten?
Was das Bild von "Diesem Juden" betrifft, so kann ich als Deutscher mit jüdischen und polnischen Wurzeln sagen, dass
es mich einen Scheiß interessiert, was andere denken. Mehr noch, es steht mir nicht zu darüber zu urteilen.
Letztens ist die Interpretation des "minderbemittelt" grinsenden Inders ganz allein Deine Interpretation. Vielleicht grinst Grinse-Sunjay ja auch, weil er eben erleutet wurde. Der Punkt ist der, dass es VÖLLIG UNERHEBLICH ist, aus welchem Grund Sunjay-Grinst, weil er für die Geschichte nicht relevant ist. Es geht hier nicht darum die Entstehung von Vorurteilen zu disskutiern. Das überlass ich den guten Menschen.
 
Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, deinen Artikel zu würdigen, kam nach dem Lesen der Kommentare aber davon ab.

Die sind nämlich noch besser als der eigentliche Text, besonders der entsandene Dialog am Schluss hat mich beeindruckt.

Ich war nach dem Lesen der Geschichte durchaus auch der Meinung, alle Inder als Grinse-Sunjay zu titulieren, sei nicht nötig.

Deine Argumentation hat mich allerdings beeindruckt, wenngleich ich meine, du hättest keine Grinse-Sunjays enfließen lassen müsse.
Du sagst ja schließlich selber, sie sein nur unerhebliche Randfiguren.
 
@e-onbart:
insofern hat grinse-sunjay seinen dienst erfüllt, als dass er zu einer polarisierten diskussion beigetragen hat ;-)

LG Raf
 
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