DieWahrheit.eu Gonzojournalismus im Netz
1.24.2006
  Nur ein Job
Die Welt ist eine verschlagene, hinterhältige und gemeine Schlampe. Und es gehört zu ihren ureigensten Eigenschaften, dass sie einen immer zu dem macht, was man selbst am meisten verachtet...
Ein Job. Ein Job ist ein Job ist ein Job. Er bringt bares Geld. Ja. Tu es für das Geld. Nie im Traum wäre es mir als Philosoph in den Sinn gekommen, mich freiwillig unter die Kakerlaken der Menschheit, Journalisten und Manager, zu mischen. Aber wenn man sich eher die Zunge herausschneiden würde, ehe man noch einmal die Worte „zum Mitnehmen?“ über die eigenen Lippen bringt, wird es Zeit, sich zu verändern. Also fahre ich zur Konferenz. Fein. Ich fahre hin. Der Vorschuss finanziert das Gras und die Pillen für die kindergeschreiverpestete Zugfahrt. Die hypnotische Wirkung der monoton vorüber mockernden Weichen tut ihr übriges. Das Meskalin heb ich mir für das Interview auf. Sicher wird es die Hölle. Manager. Unwillkürlich schüttelt es mich.

Als die Wirkung der Tabletten nachlässt finde ich mich in der raumschiffartigen, dumpfen Stille eines ICE. Der Schaffner oder wer der Kerl in der lustigen Fantasieuniform ist erklärt mir, dass ich ins Restaurantabteil gehen muss, wenn ich ein Bier will, und weigert sich auch weiterhin standhaft, Bestellungen entgegenzunehmen. Kein Wunder zahlen die jedes Jahr so viele Millionen drauf, dass sie sich von den angesparten Schulden jetzt noch den Namen der Bundesliga kaufen wollen. Was für ein riesiger Haufen Idioten - wo war ich?
Während ich mein fünftes Bier runterwürge in dieser hochmodern schaukelnden Überlandschiffskaschemme, versuche ich mir einzureden, dass ein einziges Mal Beine breit machen für Geld noch keine Nutte aus mir macht, ein einziges Interview mich noch nicht zu einem Journalisten brandmarkt. Der Meinung ist auch Rudi, der sich neben mir am Tisch festhält, und dessen fettbärtige Zustimmung sich jeder für wenige Zentiliter Bier erkaufen kann. Ich sehe mich in Gedanken selbst, morgens in den Spiegel schauend, und diese Stimmen schreien, überall diese Stimmen. „Journalist! Journalist!“ Ihre anklagenden Stimmen überschlagen sich in meinem Geist. Irgendein Verrückter hat das Wort Hure in Spiegelschrift in den Atem auf meinem Badezimmerspiegel geschmiert. Ich werfe die Hände über dem Kopf zusammen.
Der unerwartete Anblick des wahrscheinlich geilsten Arsches im Umkreis von sechshundert Straßenstrichlängen reißt mich aus dieser Alptraumvision zurück ins Zugabteil. Eine Wasserstoffblonde bückt sich ungezwungen adrett herunter, um mir ihre fabelhaften Spreizestelzen bis hin zur Ständergrenze zu zeigen. Als Vorwand verwendet sie einen Typen, der angeblich einen Kaffee bei ihr bestellt hat. Sie lächelt ihn an und ihr cremiges „bitte sehr“ lutscht sich geschmeidig von meinem Ohr an meinem Körper herunter und vergewaltigt mich sanft und ölig für eine Zehntelsekunde des Glücks. Wenn Zugtoiletten nicht beinahe so widerlich wären wie Anwälte, würde ich Dein Angebot annehmen, Süße. Lucy. Ich werde Dich Lucy nennen. Ich werde später auf Dich zurück kommen.
Es muss einen Grund geben, warum man die Redensart „Lustig wie ein Taxifahrer“ in keiner Sprache der Welt finden kann. Selbst Bela B könnte in so kurzer Zeit nicht so oft das Wort Fotze in seine Monologe einbauen, ohne irgendwann mal zu lachen. Ohne die Pillen, die ich aufbrauchen musste, um die blonde Dreilochstute zu vergessen, gelingt es mir nicht, seinen ununterbrochenen Schleuder- und Fluchmonolog in ein inhaltsloses Hintergrundgeräusch zu verwandeln, deshalb nehme ich das Meskalin gleich.
Ich gehe wie gewohnt davon aus, dass ich ihn in Wahrheit ganz anständig verabschiedet und bezahlt habe, obwohl ich ein täuschend echtes Erinnerungsbild von seinem blutüberströmten Gesicht und toten, verdrehten Augen habe. Im Kongresssaal brodelt eine stinkende Meute von hyänengesichtigen Journalisten. Phrasenschnappende Tentakel wabbeln aus dieser Masse nach oben, angeln nach der gedanklichen Scheiße, die überall im Raum schwebt, und die in den Medien gewinnbringend zu verkompostieren jeder von ihnen lechzend begehrt wie die Zugbegleiterstute meinen Knüppel.
Ich halte die Luft an und wate durch den hüfthohen, wimmelnden Schleim der in Sensationsgeilheit masturbierenden Baldschon-Großrauskommern. Ich setze mich, so dass der Schleim aus hechelndem Abschaum mir bis ans Kinn reicht. Graue Geister kreisen über dem Tentakelschleim und zeigen mit ihren Fingern auf mich. „Journalist! Journalist!“ Schützend reiße ich die Arme nach oben. Ich werde aufgerufen. Die kreischenden Stimmen überschlagen sich, als ich mich langsam aus dem zähen Schleim erhebe.
Alles dreht sich. Lucy, die geile Zugbegleiterin bläst mir einen, unter dem Schleim muss sie die Luft anhalten – wen interessiert das – die Stimmen überschlagen sich vor Lachen und Spott, mein Herz pocht. Einmal Beine breit macht noch keine Nutte. Tu es für das Geld. Tu es für Lucy. Ich hole tief Luft, ejakuliere und öffne meinen Mund: „Herr Ackermann…“ (foz)
 
Comments:
Hey, coole Berichterstattung. Prädikat: Gonzo!!!
 
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