DieWahrheit.eu Gonzojournalismus im Netz
1.19.2006
  Virtuelles Kapital, eine Einführung
Dezent angebracht, verursacht der Begriff "Kapital" inmitten eng-behoster und umso hoch-bestiefelter BWL-Studenten massive Panik. Aber welches Kapital besitze ich eigentlich? Kann man mit Bourdieus Thesen einen exorbitanten Hedonismus finanzieren?
Habe ich soziale Macht? Zugegeben, mein realpolitisches Machtpotential ist weder durch starke Fäuste noch durch prall gefüllte Lobbyingkonten untermauert. Aber ich bin virtuell! Und das ist auch mein Kapital. Sie werden sich jetzt denken, schon wieder so ein Idiot, der mit einem geöffneten Wiki-Artikel am Desktop den Anschein erwecken will, kulturwissenschaftliche Überlegungen mit alltagskonformen Banalitäten zu verknüpfen. Ich aber sage ihnen, ja sie haben recht.
Als ich so die Nicht-Existenz meiner finanziellen Mittel Revue passieren ließ, dachte ich mir, welche Vermögenswerte habe ich sonst noch aufzuweisen. Und ich sah, dass es gut war. Denn ich habe potentiell ökonomisches Potential. Die Börse in Tokio vernichtete vor kurzem doch auch Milliarden an nicht existierenden Werten. Alle sind wir virtuell. Alles ist Pseudo. Und ich bin ein Millionär.
Genug des ungreifbaren Geplänkels. Lesen Sie nun eine kurze Auflistung virtuellen Reichtums:
Anzahl von freundschaftlichen Bekanntschaften
Umfang des persönlichen email-Verteilers
Bandbreite der Internetverbindung
Anzahl von illegal runtergeladenen mp3s
Anzahl der comments in einem Blog-Eintrag
Anzahl der gelesenen Wörter im sogenannten deutschen Feuilleton
Schwanzlänge
Trinksicherheit
Trash- und Pornofilmwissen
Headshotquote bei Ego-Shootern
Anzahl der Dezibel beim Bierflaschen-Kappen-Ploppen
Zeitspanne des gesamten Lagerfeuer-Liedguts
Treffer beim sich selbst googeln
Dies nur eigene Beispiele. Ein genauso wichtiger Faktor ist die Frage, bei wie vielen Konzerten man keinen Eintritt bezahlen muss, da man von Bekannten auf die Gästeliste gesetzt wird. Aber Vorsicht! Ist man schlicht ein "+1", so sinkt der Finanzpegel um durchschnittliche 50 Prozent. Aber wann wandelt sich dieses virtuelle Kapital endlich in ökonomisches um? Wann kann ich die Früchte meiner Anbiederung genießen?
Menschen mit potentiell hohen Mitteln erkennen Sie leicht an folgenden Aussagen:
"Ich arbeite gerade an einem Projekt."
"Gibt es hier WLAN?"
"Super, dass du mich anrufst, ich muss eh was mit dir besprechen."
"Gib' mir mal deine email, dann schreib' ich dir eine kurze Zusammenfassung."
"Einen Litschi-Saft und einmal Wok-Gemüse bitte."
"Langsam krieg' ich einen Burnout."
"Schupf es einfach auf den Server."
Ja, die Welt geht zugrunde, ich bin ihr boboesquer Totengräber. Denn Giant Gonzales ist nicht mehr. (grr)
 
Comments:
Very nice site!
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