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4.03.2006
  Rette sich, wer kann!
Zwischen Rekordergebnissen und Massenentlassungen regiert das Kapital in einer absolutistischen Art und Weise, die sich nicht einmal Emile Zola hätte träumen lassen. Resümee eines verpatzten Jahrtausendbeginns.
Der Nahe Osten ist ein Pulverfass. Israelis und Palästinenser schlachten sich gegenseitig ab, der Iran leugnet den Holocaust und rasselt mit der neuen Vergeltungsrakete, die Amerikaner töten alles und jeden, der die amerikanischen Ölressourcen, die Gott versehentlich außerhalb der USA verkleckert hat, blockiert. Die Deutschen jammern und jammern, die Wirtschaft ist schlecht, die Schüler zu dumm, die Fußballer nicht gut genug, um das Großdeutsche Reich würdig zu vertreten. Kurz, alles wie immer.
Ich liege in meiner Hängematte im Garten und lasse mir die ersten echten Sonnenstrahlen dieses Jahres auf den Pelz brennen, und versuche, den Analysemotor im Kopf mit einer Kiste Bier absaufen zu lassen. Scheint nicht zu klappen. Unter Bush blüht der Kreationismus auf, der ideologische Holzhammer, mit denen die offenbar immer weiter verdummende Bevölkerung auf die göttliche Ordnung gleichgeschaltet wird, ja, kleiner Bimbo, Gott wollte, dass dieser Mann Präsident wird, und dass Neger in ihren Hausruinen an Malaria krepieren, während der Präsident beim Golfspielen den Tod von ein paar Tausend Irakern beschließt, um noch mehr Geld in die Taschen der Ultrareichen zu transportieren. Komischer Zufall, dass die Zahl der Milliardäre sich fast verdoppelt hat. Ich zische mein zweites Bier.
Der Neoliberalismus (für Fremdwortunkundige: „Recht des Stärkeren“) ist auf dem Vormarsch wie nie. Mit dem permanenten Versprechen, dass „Du auch bald ein reicher Star bist“ gewinnt man das dumme Volk für die Ideologie des eigenen Unterganges: logisch, wenn ich erst mal reich bin (in einem Jahr oder so, ist ja kein Problem, weil man ja mit genügend Selbstbewusstsein ALLES ausgleichen kann), will ich natürlich auch keine Steuern bezahlen, damit ich meine Millionen in vollen Zügen genießen kann. Diese Forcierung des Neoliberalismus ist der Beweis, dass Politik längst in den Aufsichtsräten gemacht wird, und nicht im Parlament. Inzwischen ist es auch egal, wenn die Bevölkerung merkt, dass das Argument „wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es den Menschen gut“ eine Lüge, bestenfalls eine Torheit war, denn jede politische Partei ist inzwischen Geisel der (natürlich wirtschaftlichen) Sachzwänge. Der Neoliberalismus ist eine Pest, die nicht aufzuhalten ist. Von niemandem. Wer mitspielt, muss jede Eskalationsstufe mitmachen, weil er sonst einen Nachteil hat. Ein Nachteil bedeutet, das Spiel zu verlieren, und vom Feind gekauft zu werden. Wenn die Amerikaner achtzehn Stunden am Tag arbeiten, dann müssen wir das eben auch – am Ende wäre die Deutsche Bank sonst vielleicht nur noch die zweitgrößte der Welt – und das will ja nun wirklich niemand! Wir pokern uns also gegenseitig zu Tode, bis zum „Shadowrun“-Szenario und darüber hinaus. Prost! Noch ein Bier.
Das lustige an dieser Spirale ist ja, dass die einzige Methode, da raus zu kommen, Geld ist. Wer nicht mit den Aborigines nach Wasser buddeln will, muss mitspielen. Und zwar mit den härtest möglichen Bandagen, sonst geht man gegen diejenigen, die zu allem bereit sind, unter. Dem System kann man nichts entgegenstellen, man kann nur versuchen, sich selbst zu retten. Und genau davon lebt das System wieder. Egal ob man das System liebt oder hasst, es gibt keine Möglichkeit, das Spiel zu überwinden, ohne es zu spielen. Tapfere neue Welt – wir sind im Zeitrahmen der Prognosen geblieben, Glückwunsch.

Die Übergangenen, Benachteiligten, Betrogenen, Belogenen, Beleidigten, Beschimpften, zusammengefasst in dem Wort „die Armen“ rächen sich mit blutigen Krawallen gegen die Privatarmeen der Reichen. Die Kriege der Zukunft finden in den Städten statt. Nationengrenzen werden bedeutungslos, weil die Wirtschaft keine Grenzen mehr kennt. Noch ein Bier.
„Das Ziel der Wirtschaft ist Pareto-Effizienz“, lernen BWL-Studenten an der Uni. In Wahrheit ist die Wirtschaft eine Sammlung von Einzelinteressen. Interessen, die sich durchsetzen können, und bedeutungslosen. Das Ziel der Wirtschaft, der total deregulierten, globalen Wirtschaft ist nichts anderes als die Weltmafia – der Radikalste gewinnt, also lieber möglichst früh radikal werden, bevor man sich noch einen Nachteil einfängt.
Die Zukunft der Gesellschaft ist das Kundenverhältnis, der Respekt vor dem Geld, der Angst vor dem Geld. Die Wirtschaft ist eine Maschine, die die korruptesten, brutalsten, radikalsten Kämpfer an die Spitze spült. Die völlige Aufgabe aller Werte für den Kampf jeder gegen jeden führt zum Faschismus. Einziger Unterschied ist, dass der Führer in Zukunft „Aufsichtsratsvorsitzender“ heißt.
Ich trinke mein letztes Bier aus und genieße die Sonne auf meiner Haut. (foz)

 
Comments:
Tja so ist das Reiche steigen auf und fallen, die BRD war etwas einzigartiges, gebändigter Kapitalismus, das wenigste Übel von allen, doch jeder Traum geht mal zu ende und jedes Reich versinkt einmal in Trümmern. Der Radikale Ungebremste Kapitalismus greift weiter unaufhaltsam um sich, daran kann man nichts ändern. Aber das ist immer noch lieber als Faschismus, Kommunismus oder Islamismus. Die Möglichkeit aufsteigen ist gegeben und das bedeutet schon einmal viel, in Verbindung mit Freiheit und Mitgefühl mit den Schwachen das perfekte Kalkül, rheinischer Kapitalismus in Perfektion. Letzere beiden verschwinden nach und nach, doch erstere bleibt. Vom Tellerwäscher zum Millionär, der amerikanische Traum auch bald unser Traum oder eher Alptraum? Alger töten oder revisionieren? In der gemütlichen Höhle eingekuschelt zwischen zwei Supermächten ging es uns super, doch die Wende veränderte alles, der schwarz-rot-goldene Traum ist schon längst gestorben. Arbeitslosigkeit, Nazi-Aufmärsche, Ghettos voller Dreck, Heuschrecken die abnagen was dort noch kümmerlich spriest und eine Zukunft die mehr als düster ist. Doch Drogen helfen zu vergessen.

Mahalo
 
best regards, nice info
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That's a great story. Waiting for more. »
 
dass es ums Geld geht, wussten wir alle. Aber was vielleicht nicht jeder weiss ist, in welcher Form das Geld gehütet wird.

http://disclosureproject.blog.de

Alles nur Theorien? Warum spricht dann Donald Rumsfeld öffentlich davon, daß dem Pentagon 2.3 Billionen Dollar fehlen? Hm.

Vielleicht sollte man sich ja dochmal mit dem Gedanken anfreunden, daß es eine Weltmafia gibt, die die Fäden zieht.
 
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