DieWahrheit.eu Gonzojournalismus im Netz
12.05.2006
  Neuer Teil der Indien Serie
Raf's neueste Abenteuer in Dien
 
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  Neues auf der Neuen Wahrheit
Mme. M. äußert sich erstmals als Rookie für die Wahrheit über Sehnsucht, Einsamkeit und ein klebrigens Gefühl zwischen den Beinen.
 
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11.18.2006
  Die Wahrheit ist tot, es lebe die Wahrheit
So, jetzt isses soweit. Wir ziehen weg von blogger.com... wurde auch langsam mal Zeit. Ab sofort ist die Wahrheit über www.diewahrheit.eu zu erreichen. LG Raf
 
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11.01.2006
  Im Darm des Monsters
Ich tauche ab in Dich, Du hässlicher, stinkender, menschenfressender Schlund. In Deinen Eingeweiden ziehen hunderttausende ihre Bahn. Du verdaust Benzin und in den Wurmfortsätzen Deiner Straßen sammelt sich Deine Scheiße an. 18 Millionen Einzeller bevölkern Dich. Bombay, du Monster...
Ich hatte mir diesen menschheitsverpesteten Moloch schon schlimm vorgestellt. Hatte vorsichtsmaßnahmen getroffen. Aber auf Bombay kannst Du dich nicht vorbereiten, Mann. Wie im Krieg kannst Du dich drillen lassen. In Moskau, Kairo oder Sao Paulo. Aber erst Bombay, der stadtgewordene Ernstfall, zeigt, aus welchem Holz Du geschnitzt bist.
Ich hätte K.'s Angebot - mich mit der Limo vom Flughafen abholen zu lassen - nicht ausschlagen dürfen. Das Taxi mit dem ich mich in den Verkehr stürze, heißt Ambassador, ist deutlich Älter als ich und riecht penetrant nach einer Mischung aus Kotze, Koriander und kalten Räucherstäbchen. Vorsorglich desinfiziere ich mich innerlich mit einem herzhaften Schluck des ätzenden Palm-Fennys, den ich am Flughafen erstanden habe. Als der Ambassador durch eines der zahlreichen Schlaglöcher donnert ist auch eine äußere Desinfekttion gewährleistet. Auf Hallus verzichte ich. Mir reicht die Stadt.
Grinse-Sunjay1 - ich werde im Laufe dieser Reise bis Grinse-Sunjay2729 kommen - ist mein Taxifahrer. Er hat immerhin 3 Zähne, stinkt erbärmlich und spuckt im 10 Sekunden Takt eine rötliche Pampe aus dem Fenster. „Nauwiahprotschingfejmous Mahim-Creek'', ruft er vergnügt und zeigt mit seinen dürren, gliedrigen und vor allem dreckigen Fingern auf einen Fluß. Der Creek ist tatsächlich das erste Highlight meiner Indien-Reise. Seine Ufer gehen praktisch nahtlos in eine Müllkippe über. Direkt an der Wasserlinie hocken dutzende Inder. Ich bestaune die einzigartigen Fähigkeiten dieser Menschen: Sie hocken in einer ganz und gar unmenschlichen Art und Weise und sind offensichtlich immun gegen jedwede olfaktorischen Reize. Erst jetzt fällt mir auf, dass sie alle gerade kacken. Ich frage Grinse-Sunjay1, ob er auf sein Land stolz ist, aber Grinse-Sunjay1 ist gerade mit Spucken beschäftigt.
Der zweite Flirt mit der indischen Hochkultur ereignet sich nur zwei Straßenkreuzungen weiter. Als die Ampel auf rot springt und die Blutbahnen der Stadt ein weiteres Mal dem Infarkt erliegen, klopft Grinse-Sunjay2 an mein Fenster. Ich wäre ja an Grinse-Sunjay2's Stelle kein fröhlicher Mensch. Vor allem, weil so ein Honigmelonen großes Geschwür auf dem Bauch einem schon mal den Tag verderben kann. Aber Grinse-Sunjay2 scheint das zu haben, was Amerikaner gerne als „professionel approach" bezeichnen. Als ich ihm ein paar Rupien zustecken will, fährt Grinse-Sunjay1 mit quietschenden Reifen an. Ob er wohl um sein Trinkgeld fürchtet?
Es geht immer tiefer hinein in diesen Moloch. Wir lassen die Slums hinter uns Peddar Road, Kemps Corner. In den guten Wohnvierteln hat das Elend nicht einmal ein Dach über dem Kopf. Vor dem Reebock Mega Store liegt ein Mann. Keine Ahnung, ob er tot ist oder nur schläft. Zwei junge Inder (Grinse-Sunjay3 und 4), bekleidet mit Jeans, Designerhemd und Mobiltelefon, müssen über den schlaftoten Penner steigen. Sie tun das so selbstverständlich, als würden sie es jeden Tag machen. Auf dem Mittelstreifen der Peddar Road liegt Grinse-Sunjay 5 und schläft. Wie das geht ist mir völlig schleierhaft. Eine falsche Traumbewegung und der Typ wird glatt überfahren. Auf der Überholspur eines liegt eine Kuh und käut genüsslich wieder. Sie hat allerdings keinen Wesentliches Einfluss auf das Verkehrschaos. Chaos hat keinen Komparativ.
Es geht weiter vorbei an den Türmen des Schweigens, wo die Parsen ihre Toten von den Krähen fressen lassen. In einem kleinen Park ragen die schwarzen Türme empor, wie die faulen Zahnstümpfe im Mund von Grinse-Sunjay1. Die Türme werden umflattert von Schaaren von Krähen. Wir quälen uns weiter bis zum Marine-Drive, der einstmals prunkvollen Flaniermeile und dem Sandstrand direkt am Meer. Heute ist der Drive eine 8-spurige Straße und nur Lebensmüde oder Ausschlagfetischisten würden hier baden. Die viktorianischen Hauser sind heruntergekommen, die Fenster vernagelt. Der Smog filtert jede Farbe außer Braun auch der Himmel ist irgendwie braun, obwohl keine einzige Wolke zu sehen ist. In der Bucht vor dem Marine-Drive treibt ein Flugzeugträger (!).
Wir setzen unsere Fahrt weiterfort bis wir an einem großen steinernen Tor landen. Das Gateway of India ist erwartungsgemäß… braun. Und dahinter erhebt sich das - ebenfallls braune aber dennoch legendäre - Taj Mahal Hotel. Eines, wenn nicht das beste Hotel der Welt. Ich bezahle Grinse-Sunjay1, steige aus den Taxi und erschrecke instantan, als der riesige Sigkh am Portal des Hotels die Hacken zusammenschlägt. Ich schwitze, bin dreckig, stinke nach Fenny und bin insgesamt in einem ziemlich unerträglichen Zustand. Ich wuchte meinen Rucksack durch die Tür und betrete eine völlig andere Welt.
Selbst der mächtigste Trip kann diesen Wahrnehmungswechsel nicht verursachen. Das erste was auffällt ist. Stille. Ich kann meinen Atmen hören, kann meine Schuhe hören, wie sie über den dicken handgeknüften Teppichboden schleifev. Ich höre das Plätschern eines Hausspringbrunnens und aus der Ferne leise Geigenmusik, die in der Kuppel über mir widerhallt. K. Hat mich entdeckt und kommt auch mich zu. “Du siehst Scheiße aus.” Ende der Feststellung. “Your usual Gin an Tonic, Sir?” Der Ober war zu leise, als dass ich ihn hätte bemerken können. Ich schrecke zusammen und fahre herum. GrinseSunjay6 hält mir ein Tablett engegen. “Oh… ja…danke!” ich nehme das Glas. Bombay Sephire. Der letzte wahre Gin. Ich bin angekommen. (raf)
Das ist Teil 2 einer Serie... Hier gehts zu Teil (1), (3), (4)
, , (5)
 
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9.17.2006
  Die Opfer
Statistik ist als Lehre von den Verhältnissen eher lahm angehaucht. Und doch kann sie eine Verstandestugend sein, wenn es darum geht, Verhältnismäßigkeit zu wahren und sich nicht ficken zu lassen…
Zieh ihn raus, Du Idiot! Schreit mich etwas aus meinem Kopf an. Da ich mich auf diese Stimme immer verlassen konnte wenn ich so besoffen war wie jetzt, tue ich es, und spritze ihr auf den Bauch oder was das da unter mir ist. Puh, das war knapp. Es ist schweinekalt. Der nachtschwarze Boden schlägt riesige Wellen als ich mich schwummernd erheben will, und schleudert mich gegen einen Felsen, der mich kurz vor der Brandung meines Rausches beschützt.
Ein unkoordinierter, nachschwappender Rundumblick zeigt nur leicht verhangenen Sternenhimmel. Die eine Drehung ist zu viel für meinen Magen und ich kotze weiche Brocken auf den glattpolierten Stein. Endlich Wärme im Mund. Mit einem Schlag bin ich nüchtern. Ich habe auf einen Grabstein gekotzt. Scheiße, hoffentlich war das kein Jude, sonst ist morgen das SEK hinter mir her. Dann geschieht etwas merkwürdiges. Obwohl ich mich nüchtern und drogenfrei fühle, spüre ich, wie die Inschriften auf den Gräbern mit Sinn befüllt werden. Ich verstehe sie plötzlich, sehe, wer die Leute waren, woran sie gestorben sind. L hatte recht behalten, dieses Zeug war wirklich noch wilder als Meskalin.
Der erste Grabstein, den ich in meiner Vision lesen kann, ist Daniela F. Sie ist eine von den elftausend Menschen, die sich dieses Jahr wie jedes Jahr in Deutschland umbringen. Niemand fragt in den Medien danach, warum es so viele sind, was man tun kann, und kündigt einen Krieg gegen den Suizid und die Verzweiflung an. Warum frage ich mich das? Der Zusammenhang wird später klar, erklärt mir die verlässliche Stimme aus meinem Kopf, nur Geduld, sagt sie. In Gedanken zucke ich die Achseln und lese weiter auf den Grabsteinen, die Inschriften leuchten kristallklar in meinem Kopf, trotz der verschlingenden Finsternis.
Henriette A., wurde nicht mal vierzig, eine von fünfundfünfzigtausend Menschen, die in Deutschland jedes Jahr an einer Sepsis, an Blutvergiftung sterben, unglaublich. Zwei Gräber weiter Paul M., der vor wenigen Jahren wie über sechzigtausend Leidensgenossen allein in diesem Land an der Verabreichung falscher Medikamente starb. Mir wird übel, und ich frage mich ob die besamte Halbnackte im Gras schwer betrunken oder doch schon tot ist.
Meine Überlegung ob ihr Schlitz sich warm oder kalt angefühlt hat wird unterbrochen durch das Grab von Claudia F.. Sie fiel im Jahr 2005 wie etwa zwanzigtausend andere Deutsche der Grippewelle zum Opfer. Gestorben, an einer Grippe, zwanzigtausend. Man denkt doch immer, ne Grippe sei eine bessere Erkältung… wir leben doch im einundzwanzigsten Jahrhundert, oder? Die Namen beginnen auf mich einzustürmen, immer mehr, immer mehr Lebensgeschichten, Zahlen, Zahlen, ein Wirbel aus Statistiken und Fakten, „fünftausend Ehrenmorde weltweit jedes Jahr!“ dröhnt eine Zahl, sechsundzwanzigtaiusend Landminenopfer, sechzig Kriege gleichzeitig auf der ganzen Welt, jetzt, während ich hier meinen Schädel umklammere, sechsunddreißigtausend Opfer darin jedes Jahr.
Was, was soll das alles? Jeder weiß dass andauernd Menschen an allem möglichen Dreck sterben, Hunderttausende, überall, dauern, jede Sekunde. WAS WILLST DU MIR SAGEN?? Es wird still. Endlich stille. Und wie viele durch Terror? Fragt die Stimme. Ich kann allmählich wieder denken, ahne, worauf das rauslaufen soll, rechne nach.. So viel ich weiß, weniger als 5000 weltweit , seit und inklusive den dreitausend vom elften September, den die Republikaner in den USA gerade feiern. Richtig, sagt die Stimme, rechne selbst. Ich rechne. Fünftausend in fünf Jahren weltweit, also tausend pro Jahr, das wären bei sechs Milliarden Menschen jeder sechzig Millionste. Umgelegt auf Deutschland also ein Opfer pro Jahr durch Terror, weltstatistisch gesehen. Für diesen einen potentiellen Toten installieren wir Kameras auf allen Plätzen, installieren Antiterrornetzwerke, investieren Millionen und Abermillionen in das Auskundschaften im Ausland, beschneiden unsere Freiheit, werden je-der-ein-zelne biometrisch vermessen, erfasst, katalogisiert, verfolgt, beobachtet, belauscht, werden Daten erhoben und jeder Mensch zur gläsernen Drohne. Wow. Wie viel Aufwand wird betrieben um Kinder vor Entführung, Misshandlung und Mord zu bewahren? Wie viel „Maut“-Überwachungsanlagen werden auf deutschen Autobahnen installiert um psychologische Beratungsstellen zu unterstützen, um die 1500 Neuinfektionen mit AIDS pro Jahr zu reduzieren? Könnte es vielleicht sein, dass es nicht nur im Interesse der Terroristen liegt, Angst zu verbreiten?
Warum wird uns Panik eingeredet vor einer Bedrohung, die achtzigtausend mal ungefährlicher ist als vom Blitz erschlagen zu werden? Warum wird den lächerlichen Bemühungen von ein paar anarchistischen Verrückten und ein paar religiösen Superstrebern so viel Beachtung geschenkt? Die beleidigend simple Antwort: Weil´s so schön BUMM macht.
Ja, das ist die Wahrheit. Wenn es den Islamisten darum ginge, möglichst viele Leute umzubringen, würden sie sich bei entsprechenden Instituten in der Schweiz für unter 2000 Franken ein Virus-Baukastensystem bestellen, mit dem ein Achtjähriger beliebig viele Ebola- oder andere Viren herstellen kann, inklusive Equipment und Bauanleitung (gratis aus dem Internet, frei erhältlich) und ohne lästige Fragen. Warum also der Aufwand mit Flugzeugen und all dem Kram? Na weil’s BUMM macht, und wenn’s BUMM macht, gaffen die Leute und rufen „ooh!“ und „aaah!“. Medienleute wissen das, und so bestrahlen sie uns monate- und jahrelang mit den selben quotensichernden Bildern.
Als frischgebackener republikanischer Präsident ist ein solches BUMM das beste, was passieren konnte, deswegen hat man ja auch trotz vorheriger Kenntnis nichts unternommen – klar, dass die Osamas dieser Welt gleich so übertreiben würden mit dem Bumm und auch noch ein Wirtschaftszentrum angreifen war natürlich gemein und so nicht abgemacht. Aber dafür hatte man ja immerhin eine hochplausible Erklärung, warum man sich jetzt die Ölreserven holen muss.
Hochplausibel zumindest für eine in Panik versetzte, uninformierte Meute, die für die Homeland Security das letzte Hemd oder wahlweise auch sein Recht auf Meinungsäußerung oder den eigenen Sohn gibt. Oder beides. Terror ist gefährlich, aber nicht mal annähernd so gefährlich wie ohne Gummi zu ficken. Gefährlich ist, wenn ein starker Mann sagt, dass er uns vor Feinden schützen will. Wir sollten es aus Erfahrung besser wissen als die Amis. Statt dessen machen wir ihren ach-so-stylischen Rechtsruck begeistert mit. Gute Arbeit, Condoleeza. Heil Bush!
Mein Trip endet, und meine moralinsaure Ansprache verhallt ungehört auf dem nächtlichen Friedhof. Denk dran, sagt die Stimme zu mir. Menschen kannst Du nicht ändern. Du kannst ihnen nicht helfen. Wenn Du es versuchst, ignorieren sie Dich, solange sie können. Wenn sie Dich nicht mehr ignorieren können, werden sie Dich töten. Alles, was Du vielleicht tun kannst, ist Dich selbst zu retten. Die anderen wollen es so haben. Was immer Du sagst, grunze ich zurück und lege mich für eine zweite Nummer auf die kalte Lady. (foz)

 
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8.15.2006
  Chapati und ein Gin
Indien hat zwei gravierende Mängel: Erstens findet man außerhalb Bombays kaum ein internetcafe, das auch wirklich funktioniert. Zweitens, und das ist viel schlimmer, muss man mit dem Flugzeug dort hin fliegen.
Du dreckige, verpisste Flugangst. Hast du mich wiedereinmal erwischt. Ich versuche auf den doppelten Espresso und die drei Mini-Asbach Uralt zu starren, um meinen Gedanken nicht zu erlauben schweifen zu gehen. Dummerweise herrscht in meinem Kopf auch unter den Bedingungen erhöhten Alkoholgenusses Freedom of Thought. Besonders was meine Gedanken angeht.
Meine Gedanken denken – völlig unabhängig von meinem Bewusstsein. Auch der dritte Asbach kann sie nicht niederhalten. Dabei ist es erst 7 Uhr morgens. Ich habe die letzten 72 Stunden nicht geschlafen. Habe mich nur mit Coffein und Effedrin über Wasser gehalten. Müdigkeit dämpft die Angst. Auch die vor dem Fliegen.
„Irgendwann bist Du so müde, dass dir sogar egal ist, wenn der Flieger nur mit einem Triebwerk fliegt, während die anderen alle brennen“, hatte C. gemeint. C. ist Philosophiestudent und Hobby-Therapeuth. „Raf, ich sag dir eins: Von deinen permanenten Angstzuständen kannst du dich nur runterrauchen. Du musst die Droge gebrauchen, und nicht die Droge dich gebrauchen lassen“, schulmeistert er mit erhobenem Zeigefinger. Dann setzt er sich meistens einen Schuss und sinkt sabbernd in sich zusammen. So, als hätten sich mit einem Schlag alle Knochen in seinem Körper verflüssigt. Ich sollte nicht auf C. hören. Aber wenn ich high bin klingt das immer ziemlich plausibel.
Es hilft nix... in 20 Minuten geht mein Flug nach Bombay. An der Passkontrolle stehe ich vor Tom. Tom trägt ein blaues T-Shirt mit der Aufschrift „God is awesome“. Da die Zöllner gerade einen verdächtig indisch aussehenden Inder verhören, nutzt Tom die Gelegenheit zu einem ersten religiösen Annäherungsversuch. „Seit ich Jesus kennen gelernt habe, kann ich solche Situationen viel besser händeln“, meint er mit einem fröhlichen Stabsaugervertretergrinsen, als er meinen entnervten Blick auf die Szenerie wahrnimmt. Auf meine Frage wie viele kleine Jungs er denn mit diesem Spruch schon ins Bett gekriegt hat, scheint er keine Antwort zu wissen. Vielleicht waren es schon zu viele. Ich versenke meine Hände in meinem Trenchcoat und suche nach meinem Pass.
Viel verdächtiger als jetzt kann ich eigentlich nicht aussehen: Abegriffener Trenchcoat, verschlissene Jeans, graue (ehem. weiße) Sneaker, unrasiert, übernächtigt und betrunken. Die Leibesvisitation ist quasi vorprogrammiert. „Wer hat ihr Gepäck gepackt?“, fragt mich der fette, beflissen aussehende Zollbeamte mit der Nickelbrille und dem säuberlich ausrasierten Haarkranz.
„Äh...ich?“ / „Aha... und wer noch“ / „Öhm... niemand“ Irgendwie erschließt sich mir der Sinn dieser Befragung nicht.
„Wenn sie hier patzig werden, können sie Ihren Flug gleich vergessen.“/ „Ich bin nicht patzig“ / „Also wer hat jetzt Ihren Koffer gepackt“ / „Na ich!“ / „Und wer hat Ihren Koffer zum Flugplatz gebracht?“ / „HÄ??? Na auch ich... sagen Sie: Stimmt etwas mit meinem Koffer nicht?“ / „Denken Sie denn, dass etwas mit Ihrem Koffer nicht stimmt?“ / „Keine Ahnung... ich hoffe doch nicht.“ / „Soso... sie hoffen also... Haben Sie getrunken?“ / „Jepp“ / „Warum habe Sie getrunken?“ / „Flugangst.“ / „Sind sie ein Terrorist?“ / „...!?“ / „Ziehen Sie bitte Ihre Schuhe aus.“ / „Oh... das würd ich Ihnen nicht raten.“ / „Sofort Schuhe ausziehen!“ (ich bemerke, wie er einen Knopf auf seinem Pult mehrmals hektisch drückt, aus dem Augenwinkel erkenne ich, wie sich zwei Grenzpolizisten mit Maschinenpistolen nähern) / „Okay, Okay ich mein ja bloß, dass ich schon 48 Stunden in diesem Schuhen bin und das Ausziehen jetzt mal ganz olfaktorisch betrachtet ungemütlich wird.“ / „???“ / „olfaktorisch: heißt auf den Gruchsinn bezogen“ / „Aha. Würden sie jetzt BITTE Ihre Schuhe ausziehen?“
Als ich aus meinen Sneaks gleite steigt ein Schwall warme Luft nach oben. Der Gestank ist ohrenbetäubend. Der Grenzpolizist hat schon seine Gummihandschuhe angezogen. Voller Jagdeifer stürzt er sich auf meine Turnschuhe. Er findet ein Preisschild. Deichmann, Reduziert, 5,99€. Ich darf an Bord gehen.
Jeanine macht ein ziemlich mitleidiges Gesicht. Nach ihrem Make-Up zu schließen ist sie auch schon 48 Stunden auf den Beinen. Früher war sie sicher mal ein flotter Feger: Blond, groß, dicker Charakter. Mittlerweile passt sie nicht mehr ganz in ihr Northwest-Airlines-Kostümchen. „Bitte in den linken Gang. Sie haben den Platz am Fenster.“ Ich nicke.
„Und keine Angst: Die 747 ist ein richtig sicheres Flugzeug“, meint sie mit einem sehr professionellen Lächeln. / „Das dachten die in Lockerbie auch.“ Das Lächeln schmlilzt.
„Die Wege des Herrn sind manchmal unverständlich,“ frohlockt Tom, als er feststellt, dass er den Platz gleich neben mir bekommen hat. Ein Wink Gottes. Ich bin froh, dass Tom neben mir sitzt vielleicht lenkt mich der Ärger über Tom von der Angst ab. Aber Tom ist ganz ruhig. Die 747 rollt auf die Startbahn. Ich bestelle einen Whiskey. Keine der Stewardessen nimmt die Bestellung entgegen. Mir wird schlecht. Tom, red doch mit mir! Versuch mich zu bekehren! Tom bleibt ruhig sitzen.
Eine halbe Stunde später hat sich die Szenerie beruhigt. Ich habe 4 Mini-Flaschen Jack Daniels erstanden und bin dementsprechend betäubt. „Sie müssen große Angst vor dem Fliegen haben.“ Tom ist aus seiner Starre erwacht. / „Jepp“ / „Ich hatte früher auch große Flugangst“ / SCHWEIGEN / „Aber seit ich Jesus kennen gelernt habe, da hab ich keine Angst mehr“ / „Glückwunsch“ / „Möchtest Du vielleicht auch einmal Jesus kennen lernen?“ / „ähm... ich glaube nicht.“ / „Aber Jesus könnte dir helfen“ / „Ich hab Jack“ / „Wen?“ / „Jack Daniels.“ / „Wie, den Whiskey?“ / „Jepp.“ / „Und der hilft dir?“ / „Meistens.“ / „Jesus ist aber viel Billiger“ / „Um wieviel?“ / „Jesus ist kostenlos.“ / „Ich hab genug Geld.“ / „Du könntest einen Haufen Geld sparen.“ / „Wozu?“ / „Na, für andere Sachen.“ / „Was für Sachen?“ / „Naja... ich weiß auch nicht.“ / „Siehst du... ich auch nicht.“ Ich stelle mich schlafen.
Als ich aufwache bemerke ich, wie der Flieger langsam tiefer geht. Das Display sagt mir, dass wir nur noch eine halbe Stunde von Bombay entfernt bin. Der Schlaf war alles andere als erholsam. Draußen wird es schon dunkel. Unter uns ziechnen sich die Straßen vom Bombay als kleine Lichterketten ab. Kleine Autos und kleine Busse im Stau. Die meisten Häsuer sind dagegen nur dunkle Schemen. Die 747 zieht eine gewaltige Schleife genau über die Stadt. Die Angst kehrt zurück. Zusammen mit der Vorstellung von einem brennenden Feuerball, der auf die Slums herabregnet. Meine modernistische Sodom-und-Gomorra-Vision würde Tom ganz sicher gefallen.
Tom hat ganz offensichtlich einen fahren lassen. In der ganzen Kabine stinkt es bestialisch nach faulen Eiern und einem weiteren süßlichen aber sonst undefinierbaren Geruch. „Hey Tom, hast du gefurzt?“ Tom sieht mich entgeistert an. „Natürlich nicht.“ / „Was stinkt denn hier so?“ / „Das ist die Außenluft, die über die Klimaanlage angesaugt wird.“ Ich versuche mir auszumalen, wie die Stadt dann erst riecht, wenn man auf Bodenhöhe atmet.
Ich greife nach meiner Notration. Zwei Mini-Flaschen Gordon's dry Gin. Die Stewardessen verteilen Chapati als indisches Willkommensgeschenk. Der Flieger stetzt auf, der Gin ist alle. (raf)
Das ist eine Serie: Hier gehts zu Teil: (2), (3), (4)
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6.25.2006
  Rookies für die Wahrheit (Teil 2)
"Wiedereinmal hat sich ein hoffnungsvolles Talent an die Wahrheit gewendet, um für seine gonzojournalistischen Ergüsse Hohn, Spott oder auch Lobpreisungen und Wohlwollen zu ernten", sagte die in ein rosa Designerkostüm gekleidete PR-Schlampe und verzog dabei lustvoll ihren Mund ,als ob sie soeben den Money-Shot aus dem Röhrensystem eines italienischen Starhengestes empfangen hätte. Ich schweife... Ihr urteilt. (raf)

Samstag Abend in einer Ostdeutschen Kleinstadt, Erfurt, die Stadt mit den durchdrehenden Schülern. Wenn man hier lebt ist der einzige Höhepunkt der Woche die, alle 7 Tage stattfindenden Konzertabende. Aber was ist was ich einen Höhepunkt nenne? ist es ein Höhe-Punkt oder nur ein weiterer Tag in meinem Leben den ich vergeude, umgeben von Langweilern und Gedankenlosen, verpackt in eine hübschere Schale? Kontrastprogramm zum Grau-in-Grau der vorangegangenen Woche, den folgenden Wochen. Mittlerweile genauso obligatorisch wie die zwanghaft individuelle“ Kleidung, die Musik und Interessen...
Du sitzt abwesend auf einem, mit rosa Plüsch überzogenem, Ledersofa. Du hörst halb den wirklich uninteressanten Gesprächen der Samtlappen um dich herum zu. Eine Gruppe Gruftschlampen fragt dich aus, du bist jetzt schon genervt obwohl du erst seit knapp einer halben Stunde hier bist. Wo kommst du genau her? Was machst du so? Was für Musik hörst du? Hast du eine Freundin? Sie interessieren dich nicht, du willst einen ruhigen Abend und nicht den Grundstein für potentielle spätere Beziehungen oder Kurzzeitkontakte legen.
Ich hätte mir niemals vorstellen können, dass Menschen wirklich allen Ernstes auf so eine einfallslose und uninteressante Art mit mir reden wollen. Gut, ich habe damit gerechnet, dass es IRGENDWO jemanden gibt der so ist...aber nicht ca. 20 Leute an EINEM Abend in EINER Kneipe. Ich bin wohl in der Hölle gelandet. Großartig!
Ich nehme meine Seele bitte blutig dass es tropft und nicht mit Bier ablöschen ... Danke. Du versuchst nicht durchzudrehen und mit dem - natürlich - schwarzen Marmortisch auf die piepsstimmige Moralapostelin gegenüber einzudreschen. Aber die Vorstellung reizt dich doch. Alleine nach der Aussage von ihr, dass jeder Mensch der Schmerz genießt pervers ist, ihr die beschissene Tischkante in die dumm labernde Fresse zu prügeln bis du keinen Widerstand mehr spürst. Und der Boden, die Wände eine lebendige hellrote Farbe annehmen. hellrot...hell..Hell!
THIS IS FUCKING HELL!
Als ich wieder aufblicke und meine Gedanken so weit zurückschraube, dass ich das was mich umgibt wieder wahrnehme, bemerke ich, dass alle dabei sind los zu gehen. Ich nicke und zeige auf mein halb leeres Vanilla-/Cherrycoke & Wodka/Whiskey Mischgetränk und ziehe an meiner Zigarette solange bis ich beim besten Willen keine Luft mehr in die Lungen bekomme. Nach gezählten 30 und gefühlten 240 Sekunden entlässt meine vom Rauchen geschändete Lunge den mittlerweile kalten Rauch und ich höre das Blut in meinem Kopf rauschen. Es rauscht Synchron mit meinem Herzschlag. An meinen Schläfen vorbei. Wie eigentlich alles an mir vorbeirauscht.
Du greifst zum Aschenbecher ... schweres Metall ... in Form eines Drachen (HA-HA Klischee), grinst "Piepsi" an und wirfst ihr die jetzt fliegen könnende Fabelfigur vor den Kehlkopf. Röchelnd sackt sie in sich zusammen und starrt dich dabei an. Du lächelst. Aus deinem Mund fließt ein Satz: "Siehst du, ich kann doch lächeln und Schmerz ist nicht pervers ich sehe doch wie du es genießt, leb' wohl". Der Smiley vor deinem Gesicht verschwindet und die Szene langweilt dich.
Ich suche - wieder einmal - Halt in der Realität durch meine Zigarette zu finden. So angezündet, dass die Hitze des Feuerzeugs in meinen Augen brennt, katapultiert sie mich wieder in die reale Umgebung. Aufstehen, Jacke überziehen, bezahlen & mit Piepsi, den Jacob-Sisters in Schwarz/Pink und einer unbestimmten Anzahl Metallern/Punks/Hardcorern männlichen Geschlechts zu einem Konzert laufen.
Wer spielt hast du vergessen, du hoffst der Weg bis dahin ist nicht allzu weit und die Musik dort gefällt dir. Unterwegs lässt du dich weit zurück fallen und beobachtest die Szene.. ein schöner Blickwinkel: 4 hübsche Ärsche (Piepsi nicht einbezogen, dafür aber einer der Metaller.), umringt von mehreren fast im Gleichschritt marschierenden Springerstiefeln, wackeln im Takt zu den Schellen die bei jedem Schritt nervtötend bimmeln. Ich weiß, ich denke nur an Sex und Körperlichkeiten oder Gewalt ..NA UND? Was tun andere denn? Das Gleiche, sie schreiben es nur nicht auf.
Knapp 40 Grad. Ein alles durchdringender Schweißgeruch erfüllt die Halle. Die schwarze Masse Unterhaltungssüchtiger umringt dich und du beschließt einer von ihnen zu werden. Und wenn es nur für ein paar Stunden ist. Nachdem ich den 4 Ärschen mindestens eine halbe Stunde durch die Gegend verfolgt habe, erreicht der Convoy das Konzert. Neue Probleme treten auf...Wie verdammt sollst du den Eintritt bezahlen? Wovon betrinkst du dich? Wird dein Durst nach sinnloser Gewalt heute noch gestillt? Du willst exzessiv durch den Moshpit fliegen und ein paar Rippen brechen. Eigene. Bevor du fragen kannst hat dir eine der Jacob-Sisters schon den Eintrittsobulus in die Hand gedrückt. Ich wäre nicht ich, wenn ich nicht trotzdem jeden einzelnen meiner anderen "Begleiter" nach Geld gefragt hätte. Das Ergebnis: Fast 20€ in der Tasche. Ausreichend, um das Konzert zu verlassen und dir genug Gras für einen schönen Abend mit Freund Cannabis zu finanzieren. Nein, du wirst heute nur mit Alkohol und kompletter Bewusstseinsausschaltung - bis du vergisst, wer du bist - durch den Pit treiben.
"Schmeckt dein Filter?" Madame von Pieps weißt mich darauf hin, dass ich meine Zigarette wohl schon zu lange im Mund habe und mir fällt auch der ungewohnte Geschmack von brennendem Plastik auf. Du nimmst die Zigarette aus dem Mund, willst sie auf den Boden werfen aber du entscheidest dich, sie in dem vor dir schwebendem Bierbecher mit einem Zischen zu entsorgen. Niemand hört das Zischen, aber du hörst das Stimmengewirr gemischt mit der Musik um dich herum.
Gerade, als ich realisiert habe, dass ich schon mitten in der Konzerthalle stehe, bewegt sich mein Aschenbecher in Richtung Pit. Hervorragend. Piepsi im Pit. Wenn das mal nicht nach Spaß klingt. Du grinst innerlich in dich hinein, spürst wie sich dein Herzschlag erhöht und du lässt dich auf den Takt ein. Er ist schnell, laut und unbarmherzig... deine Welt.
Noch bevor Madame le Piep den Pit erreicht trittst du ihr in die Kniekehle und als sie daraufhin leicht zusammenknickt tust du, als wenn du nichts bemerkt hast, so dass ihr Rücken deine Füße steift und du mit einem "ungewollten" letzten Schritt - bevor du "merkst" dass sie umgefallen ist - ihre rechte Schulter triffst. I found my victim for today in you.
Sie ist gar nicht hässlich, wenn man über die abrasierten Augenbrauen hinwegsieht und versucht sie sich nackt vorzustellen. Whatever, ich drehe mich nach links, überhole den Fußabtreter und zertrete den Plastikaschenbecher mit Bierfüllung, der wie durch ein Wunder bis zum Ende des Sturzes in ihrer Hand verweilte. Du bist heute ein richtiges Arschloch... Heute?
Bevor ich den Gedanken weiterdenken kann, stößt mich ein nackter, nasser, riesiger Rücken 3 Meter zurück und ich scheiße auf meine Gedanken. Jetzt wird gemoscht. Kippe in den Mund..."no one else only god can judge me"... ein letzter Blick wo sich Piepsi aufhält und meine Beine tragen mich unaufhaltsam auf sie zu. Das dachte ich jedenfalls.
Bevor ich sie erreiche landet ein Ellenbogen auf meiner Brust. Der Schmerz tut gut. Ich verliere meine Zigarette und beschließe, mich an die Zeit zu erinnern, in der ich mich bestens mit Blutpogo amüsiert habe.
Eine Stunde und mehrere Stürze, Tritte und Lachkrämpfe wegen Piepsis (die übrigens heißt wie eine Exfreundin von dir, noch was dass du an ihr hasst) niedlicher und hilfloser Art neben dir auf dem Boden zu liegen später, beschließt du, jetzt die Zeit beginnen zu lassen, die aus einem Wechsel zwischen Saufen, rücksichtslosem Pogen im Moshpit und noch mehr Saufen besteht.
-Ausblende-
-Filmriss-
Die Erinnerungen an den Rest des Abends verschwimmen für ein paar Stunden. Du wachst auf und bemerkst dass du auf einem dieser großen 2 Meter Lautsprecher liegst. Deine Beine und Arme hängen nach unten, dein Nacken tut höllisch weh und dein Mund schmeckt nach Aschenbecher. Die in Uniform gekleideten Schwestern rufen nach dir. Du beschließt den Aufbruch zu fordern. Ich lecke über meine Lippen, aufgesprungen, trockener Mund, ich habe Durst.
Nachdem du dich langsam und schleppend vom Lautsprecher gequält hast erinnerst du dich an verschiedene Szenen des Abends: Das koitierende Pärchen am Rand des Pits über das du gefallen bist, den kleinen "Streit" mit Madame le Piep und deinen aus Mangel an Selbstdisziplin entstandenen Suff. Hattest du ihr nicht sogar gesagt, dass du mit ihr ins Bett gehen würdest wenn sie nicht so oft mit dir reden würde? Und genau dann siehst du sie, betrunken im Arm des Metallers mit dem netten Arsch. Ich bin sie los, danke Herr.
Als sich der Rest der Gruppe wieder gesammelt hatte laufen wir wieder zurück in die Kneipe, runterkommen und dann langsam verpissen... wohin gehst du heute zum Pennen? Du denkst ernsthaft darüber nach Piepsi zu fragen im gleichen Moment beschließt du doch lieber draußen als bei ihr zu schlafen.
J. und F. (J. ist die Freundin von F.) sagen plötzlich du kannst zu ihnen. Du stimmst zu, denkst an das was du mit J. gemacht hast als F. arbeiten musste. Leider zu spät, die Zusage steht. A-Hörnchen und B-Hörnchen verabschiedeten sich auf gewohnt überschwängliche Art von der mittlerweile recht alkohlseeligen Gothicsuppe in Pink, Schwarz und Einheit. Du hinterlässt dem Plüschsofa ein Andenken durch eine glühende Zigarette im pinken Stoffwald, schleppst dich mit dröhnendem Schädel und weichen Knien zum Ausgang. Ich halte meinen Kopf gesenkt und zähle die Schritte. 3,4,5.. 34,35..
Unterwegs begegneten dir J. und F. .Beide stehen, mit Blick auf dich, nebeneinander. Es ist dunkel. Ihre Zigaretten malten hellrote Bahnen vor ihren schemenhaft erkennbaren Körpern. Sie scheinen zu schweben. So wie jeder von beiden in seiner Welt schwebt.
Hexe will dich, er will sie - du willst Schlaf.
Ohne ein Wort schnorrst du ihnen eine Kippe ab und wankst auf direktem Weg zur Straßenbahn. Es ist saukalt und du spürst jetzt schon wie in deinen Stoffschuhen die Kälte dein Bein hochkriecht. Deine Zehen werden taub. Du genießt den Schmerz der durch die Unterkühlung verursacht wird - er drückt deinen Rausch aus dir raus.
Straßenbahn. Völlig leer. Nur wir drei, sie setzt sich neben mich, er schaut mich an, ich schließe jetzt schon genervt die Augen.
Vor meinem geistigen Auge entgleist die Bahn. Der Wagen kippt langsam, fast wie in Zeitlupe zur Seite aber die Straßenlaternen rasen weiter unaufhörlich vorbei. Aufschlag.
Dein Kopf prallt gegen die Scheibe, du schmeckst kurz diesen belebenden metallischen Geschmack von Adrenalin, dein Körper stellt sich auf die Situation, die deine Augen wahrnehmen, ein. Sie fällt auf dich, dein Sichtfeld verengt sich, es wird Schwarz um dich herum.
Du kommst zu dir, etwas Warmes fließt über deinen Hals. Dein Blick schärft sich und du siehst ihre Augen - der Schreck und der Schmerz stehen ihr noch ins Gesicht geschrieben - er wird nie wieder weichen. Die warme Flüssigkeit läuft aus dem Zwischenraum zwischen ihren Schlüsselbeinen unterhalb des Halses - unnatürlich verdreht und aus der Wunde ragt eine der Stangen die den Passagieren Halt verleihen sollten. F. liegt - vielmehr ein Teil von ihm - in dem leeren Raum in dem ein Fenster der Bahn war. Der komplette obere Teil wird dort sein wo die festen Bestandteile der Bahn den Boden berühren. Jetzt erst bemerkst du dass dir nichts passiert ist. Deine Fantasie, dein Traum. Stop. Dein Erwachen.
Alles ist wie vorher. Die Bahn rattert weiter durch die Stadt auf ihren so linear vorgegebenen Bahn. J. und F. machen dich darauf Aufmerksam, dass es Zeit zum Aussteigen ist. Kalter Wind im Gesicht, Licht über der Tür, Kater im Flur, Ankunft, Gewohnte Zeremonie. Hinsetzen. Rauchen. Schweigen. Rauchen. Ausziehen. Hinlegen.
Später als du schon fast eingeschlafen warst spürst du eine Hand an deiner Seite. J. hatte sich gegen den Willen ihres Exfreundes zwischen uns gelegt. Das kann sie vergessen. Ich stehe auf und setze mich vor das Bett, nehme eine von ihren Zigaretten. Rauche bei geschlossenen Augen und genieße den Dreck den ich inhaliere.
Als ich wieder ins Bett will gebe ich ihm zu verstehen dass er mit J. nach Links rutschen soll. Er versteht nicht. Du versetzt ihm einen Tritt in die Seite. Jetzt pariert er und rollt in gewünschte Richtung.
Der nächste Morgen: Er ist in der Küche. Ich höre die eintönige Musik die ihn auch am besten beschreibt. J. versucht dich anzusprechen und zu umarmen. Ich stehe auf, ziehe mich an, reiße alle 3 Schachteln, die auf dem Tisch liegen an mich und bin weg. Sag auf wiedersehen, Objekt.
Tschüss. (artless)
 
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6.16.2006
  Marburg - und dahinter die Unendlichkeit
Marburg ist das Zentrum des deutschen Widerstandes. Widerstand gegen Studiengebühren, gegen Ärzteausbeutung und machmal auch gegen den gesunden Menschenverstand. Die Grenzen sind fließend, die Fronten verschwommen. Und Henrie Schnee schwimmt ... mit...
"Der revolutionäre Krieg ist ein Krieg der Massen; er kann nur durch Mobilisierung der Massen geführt werden und liegt in ihr begründet." -Vorsitzender Mao Tze-Tong...

[1] "Die Story? Welche Story?" - Und die Sache mit "Lisa 1"

"Am Anfang war das Wort und nicht das Geschwätz, und am Ende wird nicht die Propaganda sein, sondern wieder das Wort.“
- Gottfried Benn

Wie kommt man in Berührung mit der Story? Das ist die wichtige Frage. Erzählenswerte Geschichten gibt es überall, nur wie findet man sie, ehe es das internationale Presse-Establishment tut?

Die einfache Lösung ist es, sich irgendeinen Newsticker zu besorgen und den ganzen Tag laufen zu lassen. Irgendwann findet man schon einen Brocken, den man in aller Ruhe zu einer seitenfüllenden Story umschreiben kann. Ich habe da ein paar andere Methoden. Eine davon ist ICQ. Die meisten Anwender sehen darin nichts als ein SMS-Ersatz oder vielleicht eine Möglichkeit, päderaste Gefühle auszuleben - oder in völlig andere Rollen zu schlüpfen. Nur Gott alleine weiß, wie viele Oberlippenbart tragenden Polizisten sich in den Weiten des Netzes als nymphomanische, bisexuelle Schulmädchen mit höchst fragwürdigen moralischen Werten ausgeben.
Aber nicht ich. Ich habe weder einen Oberlippenbart, noch das Bedürfnis meine Fähigkeiten als Onlinetranse auszubauen. Ich will einfach nur auf dem laufenden bleiben.
Diese
Marburg-Story begann vor etwas über einem Monat mit einem kurzen und verwirrenden Chat zwischen mir und einem guten Freund dort. Wenn ich mich richtig erinnere, wollte ich eine knappe, unverbindliche Konversation über die Verfilmung von “Silent Hill“ starten, aber als Antwort bekam ich nur unverständliches Kauderwelsch. "Wir waren auf der Autobahn," schrieb er. "Ich bin mittlerweile total besoffen. Es war so schrecklich." Okay, dachte ich mir, warum auch nicht? Eine Autobahn zu betreten, egal ob zu Fuß oder am Steuer eines Wagens ist nicht jedermanns Sache – erst Recht, wenn Alkohol im Spiel ist. Aus den paar Gesprächsfetzen, die er noch schrieb, ehe er völlig zusammenbrach, folgerte ich, dass wohl eine Art Studentendemonstration aus dem Ruder gelaufen sein musste - mit der Konsequenz, dass Hunderte Menschen bei schönstem Wetter eine der Autobahnen nach Marburg enterten.


[2] Zeilen voller Vorurteile // Minus x Minus = Plus // Cyberpunks

"Die falsche Bildung aber, welche den Menschen zum gebildeten Raubtier macht, kann immer nur den Einen auf Kosten des Andern bereichern."
- Moses Hess

Das Abschneiden der Hauptlebensadern von Marburg schien sich als eine dermaßen effektive Maßnahme erwiesen haben, dass die verantwortlichen Rädelsführer in ihrer unendlichen Weisheit beschlossen, diesen Spaß nun auf wöchentlicher Basis zu veranstalten.
Das Echo in den Medien war nicht besonders hoch - obwohl sich der Hessische Rundfunk entgegen persönlichen Erwartungen doch eher wohlwollend über die Studenten äußerte und dafür die Politik mit Süffisanz strafte. Aber bundesweite Sender oder Zeitungen machten nicht gerade Sondermeldungen und Schlagzeilen zu dem Thema.
Die Sache war einfach nicht brisant genug: Studiengebühren waren schon zu Schröders Zeiten ein gern diskutiertes Thema, ehe sie dann während des Wahlkampfes 2005 totgeschwiegen wurden. Und selbst wenn das Echo in den Medien größer gewesen wäre, was hätte das geändert? Für den durchschnittlichen, hart arbeitenden, gottesfürchtigen (Bild)Zeitungsleser dieser Nation ist der gängige Student ein schmarotzendes, faules Subjekt, das fünf Jahre lang Dauerparty macht und irgendwann mal eine Führungsposition besetzt. Warum auch nicht? So ziemlich jeder Verbrecher mit öffentlichem Mandat, jeder Bankchef, der einem den dringend benötigten Kredit verwehrt, jeder Konzernchef, der veranlasst, Euro 1:1 mit DM gleichzusetzen - diese ganze dreckige Canaille besuchte früher mal eine Universität. Mehr braucht der Durchschnittsbürger nicht zu wissen.

Ärgern müssen sich nur die Kinder dieser Durchschnittsbürger. Tja, das war’s wohl mit deinem schönen Plan, Arzt/Lehrer/Informatiker/was auch immer zu werden. Fang' lieber eine Lehre an, lern was Handfestes! Genau... und bis zum Ende deiner Lehrjahre wird sich die wirtschaftliche Situation sicher gebessert haben. Du wirst sehen... Maurer und Dachdecker werden schon bald wieder Hochkonjunktur haben! Immerhin ist doch WM-Jahr!

Keine guten Zeiten für Selbstverwirklichung... Die Studiengebühren sind in der Wahrnehmung der großen schweigenden Mehrheit einfach das geringere Übel zwischen all diesen abgefahrenen Steuern, die heute schon aktuell sind. Zwangsbeimischung von teurerem Bio-Kraftstoff. 19 Prozent Mehrwertsteuer. Mautgebühren auf deutschen Autobahnen. Volle Versteuerung der Rente. Sondersteuern auf Wohnmobile. Wenn man etwas darüber nachdenkt, erscheinen einem 1000 Euro im Jahr für Bildung fast wie ein Schnäppchen.

Ich unterhielt mich mit einigen Leuten darüber, und sah viele kluge Geister an der Oberfläche des Problems kratzen - zumal es eigentlich jedem Menschen mit Langzeitgedächtnis so oder so klar sein sollte, dass das abkassierte Geld überall hin fließen wird, nur nicht an die Hochschulen. Tausende Quadratkilometer Industriegebiete werden davon erschlossen werden; jedes noch so kleine Bergdorf wird bald voller Stolz einen eigenen Kreisverkehr vorzuweisen haben. Ausländische Firmen werden noch mehr Subventionen aushandeln können für das Versprechen, für den Zeitraum von 5 Jahren feste Arbeitsplätze zu schaffen.
Das ist die oberflächliche Betrachtungsweise des Problems. Es ist nicht eine dunkle Vorahnung, dass das Geld veruntreut wird, es ist eine allgemein akzeptierte Tatsache. Warum sollte das Establishment in diesem Fall auch mal eine Ausnahme machen, nach Ökosteuer, LKW-Maut, Tabaksteuer? Etwa deshalb, weil dieses Mal der Terror nur auf Landesebene geschieht?

Auf den Gedanken der tiefergehenden Probleme brachte mich ein paranoides Wrack in meinem Bekanntenkreis. "Unwissenheit bedeutet Stärke", zitierte er Orwell, und schnorrte sich eine meiner Kippen. "Und? Das wissen wir schon seit Futurama," antwortete ich mürrisch. Ich hatte schon zu viel über die Sache nachgedacht, und schien mich dennoch immer mehr im Kreis zu drehen. "Weißt du, was ein Cyberpunk ist?" fragte er, grinsend. Ich nickte, murmelte etwas über die Matrixfilme und geplatzte Erwartungen. Er ging nicht darauf ein, sondern begann mit einem Monolog, dessen Inhalt in etwa so geklungen haben könnte:

Laut den internationalen Menschenrechten hat jeder Mensch das Recht auf Bildung - auf Hochschulebene zwar auch gegen Bezahlung, aber stets innerhalb seiner finanziellen und sozialen Möglichkeiten - wie etwa die Semesterbeiträge, die jetzt schon bezahlt werden müssen. Nun muss man aber sehen, dass solch liberaler Schwachsinn wie Menschenrechte ganz und gar nicht in das Bild des neuen Jahrtausends zu passen scheint. Die westliche Welt erlebte nach 9/11 den stärksten Rechtsruck seit dem Reichtagsbrand, und die Geschehnisse der letzten 5 Jahre haben mehr als deutlich gezeigt, in welche Richtung unsere Zukunft schliddert. Konzerne, Großaktionäre und Lobbyisten sind die Präsidenten, Kanzler und Minister des neuen Jahrtausends.

"Okay", sagte ich, "ich versteh zwar, worauf du hinaus willst, aber was hat das mit der Story zu tun?" Er drückte die Kippe aus, trank sein Glas leer und setzte wieder an: "Bildung ist Macht. Schalte dein Internet an! Was glaubst du, warum die halbe juristische Welt sich nur mit Urheberrechten beschäftigt? Wissen und Informationen sind bares Geld wert, und daher wird es Schritt für Schritt unter Kontrolle gebracht. Erst das Internet, mit Denunzianten und von Konzernen bezahlten Hackern. Jetzt die Universitäten. Das Fernsehen kannst du schon lange abschreiben. Sieh dir an, was aus der Wikipedia geworden ist. Das Projekt hatte seinen Höhepunkt, als jeder Mensch sein Wissen beitragen konnte. Jetzt wird sie so lange von irgendwelchen Kontrollfreaks verwässert, bis man sich doch wieder ein richtiges Lexikon kaufen muss."
Das verstand er unter "Cyberpunk". Für ihn hat der Begriff nichts mit irgendwelchen Implantaten oder Laserkanonen zu tun, er steht einfach nur für den Kampf der Unterschicht um Wissen. "Es ist so, als würde die menschliche Psyche seit 2001 nach dem Prinzip funktionieren 'der Feind meines Feindes ist auch mein Feind'. Ihr ewig-gestrigen Studenten habt lange genug umsonst Wissen bekommen."

Der Fall Hessen ist unter diesem Gesichtspunkt eine besonders zynische Angelegenheit, da die dortige Landesverfassung explizit einen unentgeltlichen Unterricht an allen Schulformen vorschreibt - ein Relikt aus der Gründungszeit der BRD, mit dem Hintergedanken formuliert, nie wieder durch allgemeine Unwissenheit ein System wie den Nationalsozialismus zu ermöglichen.


[3] Der Platz des himmlichen Friedens // Nurse Lisa // Kaffee und Kuchen

"Eine gute Bildung ist für die Jugend ein Zuchtmittel, für das Alter ein Trost, für den Armen Reichtum und für den Reichen ein Schmuck."
- Diogenes

Das Geschwätz über Wissen & Macht hatte seine Wirkung auf mich nicht verfehlt. Wenn man an die Geschichte unter dem Gesichtspunkt herangeht, dass die Gebühren nicht zur Finanzierung von etwas dienen, sondern zur Aussperrung der Unterklasse vom allgemeinen Hochschul- und Forschungsbetrieb (zumal noch in unionsregierten Ländern), dann fühlt man vielleicht an die Ereignisse auf dem Tian'anmen-Platz erinnert. Wir haben es hier nicht mit einer klassischen Studentenbewegung zu tun, die auf einen Kulturwechsel aus ist oder auf eine Stärkung der eigenen Position - diese jungen Menschen auf der Marburger Stadtautobahn kämpfen nur um die Beibehaltung des Status Quo.

Und sie tun das mit guten Argumenten und nicht ohne einen gewissen Charme. Auf einem Flyer, den ich vor einigen Wochen im Internet fand, wurde ein saarländischer Bildungsminister zitiert mit den Worten "Es kann ja wohl nicht angehen, dass eine Krankenschwester ihrem Chefarzt mit ihren Steuern die Ausbildung finanziert, und darum brauche man Studiengebühren!" - nur entgegnete der Autor des Flyers, dass dieser Schuss aus der Hüfte auch dafür sorge, dass die Kinder der Krankenschwester es nie mal zum Chefarzt bringen könnten.

Aber das war alles nur Rhetorik, zynisches Geschwätz zwischen Bürokraten und den redegewandteren Mitgliedern der Gegenkultur. In Hessen ging man weitaus tatkräftiger an die Sache ran: Erst die Autobahnen, dann die Innenstädte. Schließlich wurden Rektorate und Verwaltungsgebäude besetzt; Politikern wurde Hausverbot an den Hochschulen erteilt; mit kostenlosem Kaffee und Kuchen machte man Werbung für die eigene Sache bei der Bevölkerung. Obwohl es keine Kekse braucht, um Eltern davon zu überzeugen, für die Zukunft ihrer heute vielleicht noch jungen Kinder zu kämpfen - und sei es nur durch wohlwollende Neutralität gegenüber den Straßenblockaden.


[4] Aktion Wolff Marburg // Die Macht afrikanischer Fußballfans

"Ein Politiker, den man nicht versteht, gilt immer als gebildet."
- Markus M. Ronner

Erste Anzeichen dafür, dass der Protest von Erfolg gekrönt sein könnte, wurden bezeichnenderweise von RTL öffentlich gemacht: Bei einer mehrstündigen Demonstration im Rahmen einer "öffentlichen Informationsveranstaltung zum Thema Bildung" (von der CDU für die CDU) schafften es die lauten, aber friedlichen Prostetler, den anwesenden Christdemokraten Visionen des eigenen, qualvollen Todes auf improvisierten Schafotten einzuflößen.

Die Studenten taten eigentlich nichts anderes, als friedlich um das Gebäude herum zu stehen und den eigenen Frust mit lauten Parolen zu artikulieren, aber auf die Regierenden machte das ein ganz anderes Bild: Diese Typen da unten... dieses langhaarige, chaotische, besoffene und wahrscheinlich sogar drogensüchtige Geschmeiß war da, um sie zu holen, soviel war klar. Warum auch nicht? Ohne lebende Unionspolitiker gäbe es keine Änderung der Verfassung. Die Täter würden sofort wieder im dichten Gedränge untertauchen, die Waffen würden wie bei italienischen Touristenneppern schnell von einer Hand zur nächsten weitergereicht werden, so dass die Polizei keine Beweismittel vorfinden würde. Die tödlichen Schüsse könnten jederzeit fallen, das war allen Anwesenden klar - oder vielleicht auch nicht? Vielleicht hatte man irgendeinen Hausmeister bestochen, um eine kleine, aber feine Napalmbombe im Sitzungssaal unterzubringen. Jeder Lichtschalter könnte ein potentieller Auslöser sein - zumal Marburgs Chemiefakultät einen erstklassigen Ruf hat. Jeder angehende Diplomchemiker weiß, wie man sich in bester MacGyver-Manier tödliche Massenvernichtungswaffen herstellt.

Solche Gedanken müssen in den Köpfen der anwesenden Politiker geherrscht haben, nachweißbar auf jeden Fall bei Frau Karin Wolff, Bildungsministerin des Freistaates Hessen. Für sie war klar, dass sie dieses Gebäude nicht lebend verlassen würde - oder höchstens schwer verletzt. Die Studenten vor den Toren benahmen sich wie "afrikanische Fußballfans", wie es der Junge Unions-Sprecher Philipp Stompfe, selber Student, etwas unglücklich formulierte - und in Wolffs Kopf kamen sicher Bilder hoch von Straßenschlachten und Bürgerkriegen vom Format eines Hollywood-Blockbusters.

So leicht würde sie ihr Leben nicht aufs Spiel setzen, beschloss sie, und tüftelte einen genialen Plan aus: Erst würde sie sich in dem Gebäude verschanzen, um dann in einem günstigen Moment in einer Polizeiuniform zu flüchten - eskortiert und abgesichert aus allen Richtungen.
Und so kam es dann auch, nur flüchtete sie so nicht ins Schussfeld eines Revolvers, sondern in das einer RTL-Fernsehkamera. Die Demonstranten müssen sich vorgekommen sein wie dieser Fünftklässler, der seine Lehrerin einmal ohrfeigte - und ihr dabei 5 Knochen brach.

Die Schande war perfekt, und ohne es zu wollen, hatte Wolff den Protestierenden das größte Geschenk gemacht, zu dem sie fähig gewesen wäre: Sie erniedrigte sich in aller Öffentlichkeit aus Angst vor einer Reaktion, die außer ihr keiner erwartete, und kräftigte damit den lange verloren geglaubten Gedanke, dass ein Volk nicht Angst vor seiner Regierung haben dürfe, sondern umgekehrt.
Der JU-Vorsitzende Stompfe flehte später vor laufenden Kameras, sein Geschwätz über afrikanische Fußballfans doch bitte nicht als rassistisch zu verstehen (als was dann?), entschuldigte sich aber nicht - er habe rein symbolisch gehandelt.


[5] Friede den Hütten - Krieg den Palästen & ein Spiel, das länger als 90 Minuten dauert

"Ja, ich rannte also aus der Stadt raus. Die verfolgten mich mit Fackeln bis hoch zum Schloss von Aberdeen, wie Frankensteins Monster. Ich konnte dann mit einem Heißluftballon flüchten. So kam ich hier nach Seattle." - Kurt Cobain

Seit der französischen Revolution hat man auf dem europäischen Kontinent nicht mehr solch eine wunderschöne Feigheit der Regierenden gegenüber dem Volk beobachten können - Ludwig XVI. hätte es nicht besser vermasseln können als Wolff.
Wobei es sich lohnt, den Begriff "französische Revolution" in einem Artikel wie diesem so oft wie möglich einzusetzen, alleine schon um die einschüchternde Wirkung bei nicht studierenden Lesern zu erhöhen. Französische Revolution. Französische Revolution. Französische Revolution. Ja Sir, schauen Sie denn keine Nachrichten? In Frankreich brennen Autos - die teuren Autos - und Steine fliegen auf Polizisten. Und jetzt auch noch Marburg? Diese schöne, oft in Nebel gehüllte Stadt an der Lahn... Und dieses Mal scheint es nicht einmal einen Schuldigen zu geben ... diese Aufstände werden nicht von Kommunisten oder Anarchisten angestachelt, sondern von cleveren jungen Menschen, die gelernt haben, die Zeichen der Zeit zu deuten - und dieses Wissen für sich einzusetzen.

Es lohnt sich, an dieser Stelle auch auf den Marburger Bund hinzuweisen, jene mysteriöse Ärzte-Organisation, die seit Anfang des Jahres massiv für Gerechtigkeit im medizinischen Sektor kämpft - und nicht etwa für mehr Gerechtigkeit. Diese Organisation hat auch so ihre Probleme damit, den Regierenden verständlich zu machen, warum ein Halbgott in Weiß nicht 72 Stunden am Stück wach sein sollte, oder warum manche Menschen auch mal gerne so etwas wie eine realistische Bezahlung bekommen würden für ihre Dienste.

Die Studentenbewegung, der Marburger Bund (den ich an dieser Stelle nur stellvertretend für all die Lebensretter dieses Landes nenne) und alle anderen solidarisierten Parteien, Gewerkschaften, Gruppen und Bürger haben ein Ass im Ärmel, ein Großereignis, die Mutter aller Hypes: Die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland. Von Satirikern ermöglicht, von Politikern ausgenutzt, von Konzernen zur Profitsteigerung auserkoren - und von der ganzen Welt beobachtet. Wäre ich Fußballfan, dann würde ich darin etwas positives sehen (Ja was eigentlich? Freude am Spiel? Ballkunst in Vollendung? Survival of the Fittest?), aber ich bin, nach wie vor, ein Student, der so tut als wäre er Journalist, und so fiebere ich eher den abgründigeren Szenarien entgegen: Knapp vereitelte Anschläge auf Fußballstadien, von Protestierenden verstopfte Straßen zu den Veranstaltungsorten - und das totale Versagen der Regierung, die aller Welt erklären muss, warum kaum Ärzte da waren, als man sie am dringendsten brauchte.

Die Szenarien, die man sich da ausmalen kann, scheinen beide Seiten beflügelt zu haben: Die Studenten & Ärzte gaben bereits bekannt, dass die Traumspiele in Hessen (u.a. mit England, Argentinien, Holland und Portugal) definitiv zum Protest genutzt werden würden - und die Exekutive reagiert entsprechend. Es vergeht mittlerweile fast kein Tag mehr, an dem hier keine Berichte von gezielten Einschüchterungsmaßnahmen eingehen. Studenten werden bei Kundgebungen wahllos und unbegründet festgenommen oder mit Schlagstöcken verprügelt und über dem Marburger Studentendorf werden immer wieder tief fliegende Polizeihubschrauber gesichtet. Die Botschaft, die dahinter steckt ist klar: Wir werden das Gesetz durchbringen, koste es was es wolle.
So witterten auch manche, dass der lange Arm des Gesetzes nicht ganz untätig war, als am ersten Spielwochenende der Marburger Uni-Server "ausfiel", was - oh Wunder oh Wunder - natürlich der revolutionären Logistik einen schweren Schlag in die Magengrube verpasste.


[6] Aktion Mutante // Viele offene Fragen // Die CDU zum Thema Herpes

"Eine Gesinnung, die sich des Rechten bewusst ist, lacht über die Lügen des Gerüchts."
- Ovid

Womit wir in der Gegenwart angekommen wären. Die selbstgesetzte Deadline Donnerstag, 15.06.2006 rückt bedrohlich nahe, und diese Story verzweigt sich immer weiter zu einer Art postmodernem Italo-Western, voller Anspielungen auf andere Genres und mit einer bedrohlich hohen Zahl an Statisten. Das ursprüngliche Konzept habe ich schon vor Tagen weggeworfen - alleine der Gedanke, diese Situation lehrbuchgemäß zu beschreiben widerstrebt einem - solange man doch auch genauso gut zu der Alternative greifen kann, nach dem Schrotflintenprinzip vorzugehen. Ja, baller alles raus, was du finden kannst, und hoffe, dass etwas richtiges getroffen wird. Und wer will mich aufhalten? Vor beinahe zwei Wochen habe ich versucht, mit einigen der Rädelsführer in Verbindung zu treten. Nur ein paar Fragen? Ein Statement? Ein Gerücht? Irgendwas? Bitte!

Aber nein, keiner hatte Zeit. Irgendwann war ich so frustriert darüber, dass ich nach anderen Leuten Ausschau hielt... jemand von der Basis, die Stimme des kleinen Mannes – auch wenn die Vorstellung, stattdessen der CDU Hessen eine Bitte um Stellungnahme zu Themen wie Herpes, Studiengebühren und drohendem Faschismus zukommen zu lassen, auch einen gewissen Reizes hatte. Okay, ich würde zwar binnen Sekunden auf die schwarzen Listen jedes staatlichen Kontrollorgans gesetzt werden, vom BKA über Grenzschutz, Verfassungsschutz und den Pfadfindern bis zu den paar noch lebenden SS-Schergen in Argentinien.

Ich wählte, wie gesagt, den Mittelweg des kleinen Mannes, und vereinbarte mit meinem Kontaktmann, dass er einen befreundeten Drogendealer und/oder Kiffer (die Grenzen sind fließend) mit verruchten Substanzen voll stopfen & ihn dann vor den PC setzen soll, alles vorbereitet für ein Frage-Antwort-Spiel der digitalen Art. Ich überlegte, welche Fragen ich stellen könnte, aber am einleuchtendsten klang immer noch "Wie läuft das Geschäft?", gefolgt von "Stimmt diese Story über die angeblichen Polizeihubschrauber?" und dann später, nachdem er sich warm geredet hat, "Was sind die abgefahreneren Gerüchte, die du im Moment so aufschnappst?" Was die vielleicht beste Frage gewesen wäre, die man einem Kiffer unter solchen Umständen stellen kann. Kiffer neigen dazu, einfache Dinge auf humorvoll-verquere Weise wiederzugeben, was (a) gut ist um Platz auf weißem Papier zu füllen und (b) unweigerlich den Geist der ’68er beschwören würde. Wie nennt man das in der Politik? Stallgeruch?

Aber zu dem Interview kam es auch nicht, aus Gründen, die ich nur ahnen kann. Die Situation in Hessen scheint im Moment ähnlich verwirrt, überreizt und von ausuferndem Wahnsinn geprägt zu sein wie die letzten Tage im Berliner Führerbunker - ohne das wertend zu meinen. Ich begehe nicht die selben Fehler wie Stompfe, nein, ich begehe neue.
Wobei es wirklich immer schwieriger wird, den Überblick zu bewahren, wenn einem Geschichten erzählt werden, wonach zum Beispiel Michael Gorbatschow sich öffentlich mit den hessischen Studenten solidarisiert haben soll (die anderen vier journalischen W’s schenke ich mir, mit Bitte um Verständnis & Mitleid) - oder dieses Geschwätz, dass die Vita des hessischen Wissenschaftsministers Udo Cort ein paar Jahre als Müllmann beinhalten würde.


[7] Die Gummibärenbande // Die Rache der "Lisa 1" // [Situation nachgestellt]

"Alle Einsatzkräfte sind gehalten, in unverfänglichen Situationen jederzeit Kontaktbrücken zu schaffen."
- Polizeiführer Stelzenbach (06.06.06)

"Die Welt" zitiert in einem erfreulich unobjektiven Artikel den Frankfurter Polizeipräsidenten Armin Thiel mit den Worten "die Zeit der langen Leine" für die Studenten sei nun endlich vorbei - und es braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, was er damit meint.
Wobei der Polizei mal wieder die undankbarste Rolle in diesem Lustspiel zukommt: Als lebendes Schutzschild die von der Politik verantwortungslos aufgestachelten Massen aufzuhalten, koste es was es wolle. Dass aber nicht jeder Polizist ein schlagstockschwingender Nazi mit Oberlippenbart und Stammtischethik ist, fällt dabei völlig unter den Tisch - die Würfel sind gefallen. Es ist Sommer; starke Hitze und hohe Ozonwerte haben noch nie ihre Wirkung auf wütende, siegessichere Menschenmengen verfehlt. Es scheint zwar niemand zugeben zu wollen, aber beide Seiten sehnen sich nach Märtyrern.

Was ja auch mehr oder weniger wahr ist. Aber leben wir wirklich noch Ende der 60er? Oder balgen sich die Studenten dieses Jahrtausends mit einer neuen Polizeimentalität? Vor einer Woche hätte ich auf solche ketzerischen Fragen noch "Fuck, nein!" geantwortet. Polizisten sind, waren und werden auch immer Lakaien des Teufels sein. Bis mir jemand eine eMail voll erheiternder Hintergrundberichte lieferte. Er sprach von den marburger Gummibären (Polizisten) wie von Saufkumpanen. "Die sind hier in Marburg tendentiell auf unserer Seite," sagte er. Und das sind die Friseusen sicher auch. Aber er hatte noch eine Pointe: "Nicht nur, dass viele von ihnen brav die Petition für den Landtag unterschrieben haben und man sich dann nach Ende der Aktionen nett Gutnacht sagt und sich versichert, dass man sich ja auf den nächsten Polizeifestspielen wieder sieht, nein, bei der Unterschriftensammlung ist uns gleich noch der Einsatzbefehl der Polizei für die letzte Mittwochsdemo in die Hände gefallen."
Und in der Tat, den hatten sie, sogar online. "[P]rotest[- und] gewaltbereite Gruppierungen des linken Spektrums" und "studentisches Klientel" (zum Teil namentlich genannt) soll demnach durch "polizeiliche Maßnahmen [...] Grenzen aufgzeigt" und "bei potenziellen Störern [...] gezielt, offensiv und deeskalierend Gefährederansprachen" durchgeführt werden.

Wie war die Demo heute? Hattet ihr Trouble mit den Grünen? Nein... sie waren in Ordnung wie immer. Ich weiß... ich hätte nichts trinken sollen... aber irgendwann hatte ich mir in den Kopf gesetzt, Roland Koch mit seinen eigenen Schuhen totzuprügeln. Großer Gott! Und dann? Wurdest du festgenommen? Nein... die Grünen blieben ruhig. Noch ehe ich ihm den Schuh ganz ausgezogen hatte, nahm mich einer beiseite - ein etwas älterer, irgendwie ... ja ... väterlicher Typ. Und dann? Hat er dich zusammengeschlagen? Nein, er blieb ganz ruhig. Und dann hielt er mir eine gezielte, offensive und irgendwie deeskalierende Gefährderansprache. Und ich muss sagen: Er hat mich echt überzeugt. Ich hab mich sogar bei Koch entschuldigt.

Wir leben in einer schönen neuen Welt, in der Polizisten wirklich väterliche Kumpeltypen sind - wie Hirten, die ihre kleinen, verwirrten, kriminellen, schwarzen Schäfchen wieder zur Herde zurückführen. Das sind die wahre Staatsdiener - sie befolgen die Befehle von oben und respektieren die Wünsche von unten. Kassieren bei den Reichen und kooperieren mit den Armen.
"Naja, bis auf die jungen Polizisten," schrieb der Autor der oben erwähnten Mail. "Die stehen mehr auf Pfefferspray und Kampfhunde."

Und selbst über die kann man sich zumindestens noch beschweren. Zum Beispiel bei Polizeiführer Stelzenbach (Codename "Lisa 1"), dem Bereitschaftsrichter Herr Schauß oder bei der Bereitschaftsstaatsanwältin Frau Vockert - für alle werden in dem durchgesickerten Bericht Telefon- und Handynummern angegeben.


[8] Düstere Visionen // Abschlussbetrachtungen // Der Untergang des Abendlandes

Jetzt, nachdem ich mich zwei Wochen aus der Distanz mit der Problematik beschäftigt habe, füllen sich meine Träume immer öfter mit apokalyptischen Bildern...
Sämtliche Beteiligte haben Benzin ins Feuer gegossen, und wenn die blutverschmierten, leblosen Körper irgendwann von den Straßenschlachtfeldern getragen werden, wenn der letzte Molotov-Cocktail geworfen ist und das letzte Protestbanner wie ein zerrissenes Segel im Wind baumelt, dann wird die Zeit der großen Schuldzuschiebung kommen.
Jeder wird sein Fett weg bekommen: Die CDU, die sich schon seit Jahren systematisch von der Realität verabschiedet, wird ihr Gesetz vielleicht durchbringen. Die Studenten, deren Ziele friedlich und verdammt richtig, aber naiv waren, werden die Zahlung vielleicht boykottieren. Die SPD, die sich insgesamt betrachtet in der Sache zu zögerlich verhalten hat (und nach Wowereits Eigentor, dass Studiengebühren doch eigentlich eine schöne Sache wären, auch höchst unglaubwürdig da steht) wird vielleicht die nächste Wahl gewinnen - zumindest kann sie auf einen etwas stärkeren Zulauf bei Jugendlichen und Erstwählern hoffen, was aber auch kein großer Sieg darstellt, glaubt man den Statistiken, die Roland Kochs Beliebtheit bei Jugendlichen knapp unterhalb der von Herpes sehen. Dennoch werden die Studiengebühren, sollte die CDU damit durchkommen, in den ersten 100 Tagen einer zukünftigen SPD-Regierung Hessens wieder abgeschafft werden – so zumindest das vollmundiges Versprechen.

Der große Gewinner der Sache, wenn überhaupt, wird der Staatshaushalt sein - und damit auch dessen hässlicher, entstellter Abkömmling, die Bürokratie. Die Polizisten werden auch gewinnen, nämlich gut bezahlte Überstunden - 8 Millionen Euro soll man trotz leerer Kassen alleine dafür eingeplant haben. Vielleicht springt auch für Gorbatschow bei der ganzen Sache noch etwas raus - warum nicht? Die Deutschen lieben ihn, sein Muttermal macht ihn einmalig, und er hat schon einmal gezeigt, wie man mit seinem berühmten Regentanz Tauwetter einleiten kann. Karin Wolff wird bald arbeitslos sein, oder nach Berlin weggelobt, um ihre Botschaft und ihr Verkleidungstalent der ganzen Republik nahe zu bringen - eine gut bezahlte Stelle wäre für den alten Knaben aus Mütterchen Russland also frei.

Aber die Bildung? Sie hat schon mehr gelitten als viele andere einst so großartigen Aspekte unserer Nation. Ihr Ruf ist schlecht; und wenn man den Medien glauben schenken will, dann verwandelt sich jedes menschliche Wesen, dass sich längere Zeit mit deutschen Schulen beschäftigt in einen faulen, selbstgerechten Lehrer oder einen unmoralischen, verdorbenen und hoffnungslosen Schüler.
Aber wir haben, nach wie vor, etwas vorzuweisen. Wir haben nach wie vor die Pflicht, für unsere Freiheit einzutreten. Freiheit der Bildung ist nicht nur ein Stützpfeiler der Demokratie, sie ist auch das Rückgrad unserer gesamten Zivilisation. Kennedy brachte es auf den Punkt als er sagte "Es gibt nur eine Sache auf der Welt die teurer ist als Bildung: Keine Bildung", und in meiner Vorstellung nickt er dabei düster. (hes)
* Zeichnungen von Tina Sasse
 
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6.03.2006
  Dem deutschen Volke
Während sich die Kollegen der Wahrheit über Nachwuchs auseitern, Genosse raf mit Tequila gefüllte Schwedenbomben reflektiert und Java Scripts einen morbiden Beigeschmack bekommen, ging ich auf Tournee. Ein Tatsachenbericht...
Morgens halb sieben in Wien. Nein, keine Werbemetaphorik sondern blutstuhliger Ernst. "Wo bleibst du, Arschloch?" Ich habe verschlafen, wische mir die Tablettenreste aus dem Mund und blicke verwundert auf die Dame mit Wimpern wie Drahtborsten an meiner Seite. Nicht nur, dass sie eine thailändische Erasmus-Stundentin mit phragmentarischen Deutschkenntnissen, den ersten Äther-Erfahrung vor wenigen Stunden und weiß Gott kein Mensch mit gesunder Gesichtsfarbe ist, sie ist auch noch pure Phantasie! Ich schüttle meinen Kopf, sie verschwindet nicht. Wir unterhalten uns kurz über fernöstliche Beinamputationsmöglichkeiten, als plötzlich ein Bus auf den Gehsteig vor meinem Haus hält. Ich schütte mir eine Tasse kalten Kaffeesud ins Gesicht, denn das Wasser wurde mir schon vor Wochen abgestellt. "Beeil dich, Sackgesicht! Wir fahren nach Deutschland!"
Eigentlich hätte ich in diesem Augenblick nichts anderes tun sollen, als die Identität zu ändern, aber es war zu spät. Die Tour begann.
Sechs mühsame Stunden Autofahrt. Schengen sei Dank, dass ich mir auf der Grenze nicht in die Hose geschissen habe, wäre ob der im Magen mitgeführten Fracht auch keine allzu kluge Idee gewesen. Wie sollte ich sonst die kommende Woche überstehen? "Dreh die Heizung runter! Hier drin hat es ja eine Hitze wie einem pakistanischen Auffanglager". "Die Heizung ist aus und die Fenster offen. Aber du siehst auch nicht gerade gut aus, mein Freund." Ich nahm die Sonnenbrille ab und traute meinen Augen nicht. (Was ich zwar grundsätzlich nie tue, aber in diesem Fall, wurde die Redensart blanke Gewissheit.) Ich konnte meinen Augen auch gar nicht trauen, denn sie waren schlichtweg nicht vorhanden. Dafür aber eine glühend rote und behaarte Masse in Kopfform die ich verschwommen und nach einiger Überlegung als meine eigene Fratze identifizierte. Ich holte aus meiner Short einen verkrümmelten und übel riechenden Joint und entspannte mich erst mal ordentlich. Aber so schnell, wie die Preußen schießen, waren wir angekommen. Mainz. Was für ein Drecksloch.
Mittlerweile war es früher Abend. Noch zwei Stunden bis zum Auftritt. In einer triefenden Hafenkneipe. Was soll eigentlich dieser ganze Hafen-Scheiß? Ein Meer konnte ich beim besten Willen nicht entdecken. Linkslinkes Fußballgesocks, wohin man blickt. Nicht dass ich etwas gegen Fußballmarxismus hätte, aber weder das eine noch das andere lässt sich miteinander verbinden. Wann begreift ihr das endlich und beginnt, euch Gedanken über wichtige Dinge zu machen, Idioten? "Hast du dir überlegt, was wir heute auf der Bühne machen?" Scheiße. Konzeptzwang. "Nein, was soll’s? Beschimpfen wir doch einfach diesen Drecksverein Mainz 05, holen wir uns die Kohle und fahren weiter. Mehr haben die nicht verdient." Gesagt getan. Nach sieben Minuten war die Stimmung dermaßen am Brodeln, dass wir so schnell wie möglich verschwinden mussten. Der Veranstalter war von der Performance weniger begeistert als wir selbst. Als er sich sträubte, das Fahrtgeld rauszurücken, entschieden wir uns für die direkte Überweisung. Bar auf die Hand und via Bahre ins Krankenhaus. Noch schnell ein paar Kisten Bier geklaut und auf zur Übernachtungsmöglichkeit.
Wir betraten den Plattenbau und keucthen bis in den 17. Stock. "Mach schon, der Sammler mag’s nicht, wenn man ihn warten lässt." Der Sammler. Seit vier Jahren hat er die Wohnung nicht verlassen. Der Wundbrand beginnt, ihn aufzufressen. "Hinsetzen". Er begrüßt uns gewohnt freundlich. Einige Stunden und Rezeptmedikamente später legte er die letzte Sprachplatte auf. "Hier haben wir was Gutes." "Muss das sein?" "Halt die Schnauze, oder ich ruf die Bullen!" Diese Deutschen und ihre direkte Art… Ich machte es mir zwischen den fauligen Bandagen gemütlich und schlief mit offenen Augen, in die mir in periodischen Abständen gehaltvolle Flüssigkeiten eingetröpfelt wurden.
Keinen Tag länger wollte ich hier bleiben. Nach einem ausgiebigen Frühstück im Wohnzimmer der senilen Nachbarin nahm ich noch einige "Alles Liebe, dein Enkelsohn Walter"-Fresspakete mit und wir fuhren weiter. Nächste Station: Bamberg.
Die katholische Kirchturmhölle brachte mich erneut zum Schwitzen. Dabei waren wir noch nicht mal ausgestiegen. "Wo sollen wir denn hier schlafen?" "Ich kenn jemanden, mach dir keine Sorgen." Aber die machte ich mir. Zu Recht, wie sich letztlich heraus stellte. "Wer ist da? Egal! Verschwindet, oder ich vergess mich!" "Das wäre ja nichts Neues. "Mach' schon auf! Besuch aus Wien ist da!" Wir betraten das 15 Quadratmeter große Dachbodenabteil und stiegen über aufgerissene "Essen auf Rädern"-Packungen mit DMark-Preisetiketten. "In Ordnung. Aber verschwindet bald wieder." Der Maler, Freundlichkeiten niemals abgeneigt. "Was machst du so?" "Na was wohl! Ich male." Wir betraten das Atelier. Es roch wie in einer still gelegten Metzgerei. "Das ist der Biber-Zyklus, schön nicht?" Ich kotzte schon, bevor ich das ganze Ausmaß des Grauens vor meinen Augen wahrnehmen konnte. Zwei zerfleischte Biber wurden mit Gafferband an eine Leinwand geklebt und anschließend mit der eigenen Magensäure eingerieben. Was für ein Anblick. "Verkaufst du den Dreck?" "Natürlich. Glaubst du, ich mach das zum Spaß?" Eigentlich eine logische Antwort. "Können wir hier schlafen? Wir haben noch Auftritt und wollen nachher nicht weiter fahren." "Macht was ihr wollt, ihr könnt in der Küche pennen. Aber Finger weg von den Fellen! Ohne die erfrier ich noch!"
Selbes Programm, selbes Procedere in punkto Fahrtengeld. Als wir danach vergeblich ein nettes Etablissement mit ukrainischer Bedienung suchten, gingen wir zur temporären Unterkunft. Die blutverschmierten Scheiben ließen uns an der Qualität des Schlafplatzes zweifeln. Aber wir hatten keine Wahl. In einem Hotel wurden wir schon seit Jahren nicht mehr aufgenommen. "Was wollt ihr hier, verschwindet!" "Aber du hast gesagt, wir können hier pennen, erinnerst du dich nicht!" "Nein, haut jetzt ab, ich habe zu arbeiten." "Woher kommen diese Geräusche? Klingt irgendwie nach Schafen." "Und dieser Gestank, hast du dich angepisst?" "Ja, aber das geht dich nichts an, du Arschloch! Verschwindet! Und lasst ja die Finger von meinen Fellen, sonst vergess ich mich!" Das wollte ich gerne glauben.
Wir schliefen im Wagen. Morgens wurden wir von einem zuvorkommenden bayrischen Polizisten geweckt, dessen Bierfahne schlimmer war als die unsere. Was soll das denn heißen, eine Insel ist nicht zum Parken da? Diese Deutschen, obrigkeitshörige Lakaien!
"Es geht weiter, mein Lieber, wir sind noch nicht fertig." Oh doch, das war ich. "Ich kann nicht mehr. Ich halte das nicht länger aus." "Was denn, machst du schon schlapp? Ich dachte, du hältst mehr aus." "Es sind ja nicht die Drogen und unsere Bekanntschaften, es ist dieses Land. Ich werde noch wahnsinnig." Und das wäre ich ohne die beruhigenden Valiummengen, die wir der Nachbarin des Sammlers geklaut haben, noch viel schneller passiert. Das deutsche Volk scheint derzeit völlig wahnsinnig zu werden. Alles wird schwarz-rot-gold zugeschissen und die Neo-Nationalisten a la Pocher und Sportfreunde Stiller kriechen aus ihren verdreckten Löchern und überschütten die Welt mit positivistischem Fußballgekreische. Vergesst ja nicht eure Schuld, meine Freunde! Was habt ihr denn sonst? Österreich war ja nur das Rohstofflager des Völkermords.
"Du wirst sehen, wir kommen jetzt nach Berlin. Da ist alles besser." Von wegen. Angekommen in Kreuzberg sah ich in die Fratze des neu auferstandenen Volksstolzes. Ausländer mit Deutschlandtrikot! Überall, wo man hinblickt! "Hey, Deutscher, weißt du, dass für die WM dutzende von Gesetzen einfach außer Kraft gesetzt werden?" "Machen Sie mir ja nicht unser Land schlecht, wa? Ich bin nämlich stolz drauf, ja, hör du mir bloß auf, mit deinem Pessimismus!" Wir mussten raus. Die letzte Nacht mussten wir durchmachen, da unser Bekannter, ein bekennender Schweißfetischist zu einem Studienaufenthalt in die äußere Mongolei aufgebrochen war und unser Auto schon abgeschleppt wurde, als wir noch nicht mal den Motor ausgemacht hatten. In der "Wulka-Bar" freundeten wir uns noch schnell mit tschechischen Gesellschaftsdamen an, die uns dummerweise unsere letzten Ersparnisse klauten. Wie es der Zufall so wollte, fanden sich jedoch am Nebentisch zwei kroatische Fußballfans, deren Tickets wir uns kurz ausborgten ("Wie sehn’ die eigentlich aus?"). Mit dem Verkaufserlös konnten wir bequem nach Wien fliegen und die Stewardessen noch zu einer Nachbesprechung im Hangar überreden.
"Gehn’ wir morgen zum Sportklub-Spiel?" "Nein, Li hat keine Lust auf Fußball." "Wer zum Teufel ist denn Li?" "Das würde jetzt zu weit führen." (grr)
 
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6.02.2006
  Schwedisch für Schwaben
In Augsburg zu Schwaben ist die Welt schön, heil und vor allem bierselig. Nüchtern betrachtet ist es eine häßliche Industriestadt, die zufällig 2000 Jahre Geschichte aufzuweisen hat. Aber man muss ja nicht unbedingt nüchtern sein...
„Ist dir eigentlich jemals aufgefallen, dass 'Dancing Queen' von ABBA ein Lied über Sexualverbrechen ist?” Gut, ich hatte bereits vier Tequila in mir, die ich mir beim Karaoke-Contest in einem Augsburger Irish Pub mit einer absolut grenzwertigen Interpretation von „Right said, Fred – I'm too sexy“ verdient hatte; so besehen kam eine Entwicklung des Gesprächs in diese Richtung nicht ganz unerwartet. Was hätte man auch anderes erwarten sollen... in Augsburg, Stadt meiner Väter, von Mozart Senior, der Fugger, Brecht und unzähligen gigantischen Dieselmotoren aus dem Hause MAN.
Eine mehr als 2000 Jahre alte Siedlung, zerfressen von Industrie und CSU-Plakaten. Wo man mehr Russisch als Türkisch auf den Straßen hört und wo die linke studentische Elite an sonnigen Donnerstag Nachmittagen gepierct und mit schwarz geschminkten Augen im Biergarten einmütig neben EX-SS-Sturmführern aus dem Chiemgau hockt und eine Radler-Maß zu den Klängen der Alt-Allgäuer-Heartbreaker-Buam säuft.
Augsburg ist eine Stadt, die so belanglos ist, dass einem angesichts der Geschichte die Tränen kommen könnten. Augusta Vindelicorum, freie Reichsstadt, auf dem Reichstag zu Augsburg wurde 1530 das Impressum beschlossen. 476 Jahre Pressezensur. Das ist doch was. Die Fugger haben sich ganze Monarchien gekauft. Das Bert Brecht Gymnasium kündet vom großen literarischen Sohn der Stadt; allerdings erst seit 1992, als die Roten an die Macht kamen.
„Früher war Augsburg eine wunderschöne Stadt“, pflegt mein Großvater in solchen Situationen immer gerne in seinen Bart zu nuscheln. „Aber die scheiß Tommies haben ja nix übrig gelassen. Der Ami, der hat wenigstens noch am Tag bombardiert und nur auf die Industrie. Das war schon recht so, aber die Tommies...“ An dieser Stelle folgt in der Regel die Geschichte, wie er es im Frühjahr 44 einmal nicht in den Keller geschafft hat, bei einem Angriff der Briten. In seiner Verzweiflung hat er sich während des Angriffs auf ein schweres Ledersofa gelegt, dass vor einem zerbombten Haus stand. Das Sofa wurde von den Druckwellen der Bomben zwei Meter hoch durch die Luft geschleudert und mein Großvater hatte solche Angst, dass er in diesen Minuten den Lederbezug des Sofas mehr als einmal durchgebissen hat. Dann erzählt mein Opa (Jahrgang 1930) stolz, wie er sich 45 in den letzten Tagen vor dem Ende, in den Trümmern von Augsburg vor der SS versteckt hat, damit die Volkssturm-Wichser ihn nicht einziehen können. Historisch gesehen hat sich meine Familie nichts vorzuwerfen. Ich bin ein unbefleckter Deutscher. Sogar in Augsburg. A propos unbefleckt:
„Ähm...'Dancing Queen' von ABBA ist ein Lied über WAS?!“
„Ein Lied über einen Sexualverbrecher, der eine 17-jährige vergewaltigt, tötet und vergräbt. Pass auf: 'Dancing Queen, only seventeen'. Wir haben es also mit einer Minderjährigen zu tun. 'Dancing Queen, feel the beat of the Tambourine'. Das ist eine Reminseszenz an die männliche Potenz, die sich vom Tanz des Mädchens in Wallung bringen lässt. Und dann passiert folgendes...“ Ich versuche krampfhaft in diesem Karaoke-verseuchten Irish-Pub in der Augsburger Innenstadt die Kellnerin auf mich aufmerksam zu machen. Was gar nicht so einfach ist, denn gerade gibt Giacomo auf der Bühne lautstark seine Interpretation eines Ramazotti-Klassikers zum Besten. Ich kämpfe kurz gegen das Gefühl an, eine Schlägerei anzuzetteln. Augsburg. Herrje, diese Stadt fördert wahrhaftig das grusligste im Menschen zu Tage. Alkexzesse, ABBA-Verschwörungstheorien, Ramazotti. Ich weiß gar nicht was schlimmer ist: Der ABBA-Interpreter vor mir, Giacomo hinter mir oder die Tatsache, dass der Tequila alle ist. Augsburg – nüchtern betrachtet – ist wohl einer der langweiligsten Flecken, den man sich vorstellen kann. Das ist auch Grund, warum ich Augsburg nie nüchtern betrachte.
Tja, und nach dem Krieg kamen die Amis nach Augsburg. Zwei Generationen von Schwarzen und White-Trash bereiteten sich in ihren Kasernen darauf vor von sowjetischer Artillerie zerfetzt zu werden. Heute sind die Kasernen Sozialwohnungen, in denen vorwiegend Russland-Deutsche hausen. Eine dieser kleinen Ironien, die Geschichte bereithält.
„Und jetzt kommt der Hammer!...Hey, hörst du mir überhaupt zu?“ Ich nicke und halte nach der Kellnerin ausschau, wie ein Beduine nach einer Oase. „See the girl, watch the scene, dig in the Dancing Queen. Das ist doch der Hammer, oder?“ Für einen kurzen Moment will ich widersprechen, will mich in einen intellektuellen Disput über Textinterpretation und Klinikeinweisungen einlassen. Vergrab die Tanzkönigin. Ich bin in Augsburg und der Tequila ist alle.(raf)
 
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5.27.2006
  Rookies für die Wahrheit (Teil 1)
Als unermüdlicher Arbeiter für die Wahrheit ist man mit allerlei beängstigenden, bizarren und bisweilen betörenden Ereignissen konfrontiert: Nacktangeln am Stubenberger See ist dabei nur eine der großen Herausforderungen. In letzter Zeit häufen sich E-Mails von seltsamen Typen, die die Wahrheit mit ihren eigenen Ergüssen bereichern wollen. Und weil sich Grr, Sas, Foz und meine Wenigkeit nie einig sind, haben wir uns folgendes Überlegt: Ab sofort werden alle eingesendeten Geschichten unter der Rubrik "Rookies für die Wahrheit" publiziert. Und Ihr, liebe Leser, könnt mit euren Kommentaren entscheiden, ob wir diese Typen ins Kollektiv aufnehmen sollen. Zerreist, oder lobt in den Himmel! Den Anfang macht Till.

Unterhaltungs-Industrie oder individuelle Lebensfreude?
Auf der Suche nach dem Geist oder der Seele der Jugendkultur. Ängste und Hohn auf einem im eitrigen Herz meiner Generation...
Leichte Übelkeit setzt ein und außerdem glaube ich das ein nüchterner Kopf in gewissen Situationen doch besser sein kann,
gerade wenn es darum geht gesellschaftlich aktiv bleiben zu können. Aber das war ganz und gar nicht das Ziel des heutigen Abends. Um genau zu sein wusste ich nicht ob es überhaupt ein solches gibt.
Wie dem auch sei: Mit einem College-Block, einem Werbegeschenk-Kulie, riesiger Sonnenbrille (was mir selber, obwohl ich es wirklich nur tat um meine Augen zu verbergen, verdammt klischeehaft vorkam), stieg ich aus dem Auto (meiner Mutter) wie es wohl an diesem Abend an die 200 Jugendlichen tuen werden. Schon vernahm ich die ersten dumpfen Bässe, die mir das Musikprogramm des heutigen Abends ankündigten. "Auf geht's", dachte ich mir und mein vollkommen betrunkener Kumpane trug mit mir einen jungfräulichen Kasten "Öttinger Pils" die Straße hinauf in Richtung "Fest-Zelt". Dort angekommen suchte ich mir ein etwas ruhigeres Plätzchen um mein - na ja man kann sagen - Lager aufzuschlagen; die Szenerie noch gut im Blick aber dennoch weit ab von Urin-Strahlen und Kotzlavienen. Mein Begleiter zog mit den Worten "Ich skalpier einen von diesen Hundesöhnen, wenn sie heute Abend kein (Iron) Maiden spielen" los. Mir war das alles relativ egal. Mein kleines Holzpfeifchen ausklopfend sah ich von hier die Mengen an Menschen, die sich in einem Art abgezäunten Bereich aufhielten, wie Mastschweine.
Eingesperrt bekamen sie nicht nur nahezu zwanghaft die Musik sondern auch das Bier eingeflösst. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das so kritisieren wenn nicht sogar anprangern darf, wo ich doch selber ein Freund berauschender Mittel bin, aber in der Form wie es diese willenlosen Niemandes taten hatte nichts mehr mit meiner Vorstellung von Bewusstseinserweiterung zu tun. Wie sich die weißen Schlafanzügen ähnlichen Gewänder, in die sich die so genannten "Pseydo-Ghetto-Kidz" kleideten mit Schlamm bespritzen, nicht etwa im extasischem Tanz oder bei wilden Matschorgien (wie ich sie nur aus Woodstock (DVD) kenne) nein: beim einfachen Pöbeln vor dem Würstchenstand, bei der Klärung der Frage wer nun zu erst sein Stück zermalenes Fleisch in Kunstdarm entgegen nehmen darf. Es machte mich traurig, wie ich mir die unglaubliche Tragödie dort unten ansah.
Auch zwei weitere Köpfchen und wildes Antiagressions-Kugelschreiber-Kritzeln halfen
da nichts mehr. Ich musste dem Problem auf den Grund gehen. Mit einem Bier und Sonnenbrille trat ich mit mir einem selbstgemalten Stempel auf der rechten Hand in das total vermatschte Zelt ein.
Künstlicher Nebel und halbnackte "Chicksen" prägten hier das Bild. Mich begrüßt eine Mädchen meines Alters deren Worte ich bei der
Lautstärke nicht mehr verstand, im Weitergehen viel mir plötzlich ein das es meine erste Freundin (damals 4. Klasse) Annelie gewesen sein muss. Mit ihr kamen schreckliche Erinnerungen an eine Zeit, die ich nur zu gerne Verdrängen würde. Verdammt ich war einfach viel zu drauf um mich mitten ins Getümmel zu stürzen. Ich tat es trotzdem.
Einmal durch und dann schnell wieder weg. Dröhnende Musik, kaum noch Gleichgewicht, Scheiße ich weiß jetzt ganz genau was ich hier hasse, verdammte Scheiße. Jetzt nur schnell wieder raus. Als ich jedoch in einer 180 Grad-Wendung, auf deren Fliegkräfte ich selber nicht eingestellt war, einer jungen Dame in der Nähe der Tanzfläche auf den Fuß trat und mich um mich vor einem Sturz zu retten nur noch an ihrer Hüfte abstützen konnte, erfuhr ich schon einen ziemlich festen Schlag ins Gesicht. Von einem Typen, dessen Äußeres wohl wie eine Mischung aus Bushido und Silvester Stalone gleich kam der mich mit 90% Bewusstlosigkeit beschenkte. "In dem verdammten Schlamm hat man absolut kleinen Halt mehr", hörte ich mich selber denken und stürzte über eine, im Nachhinein ziemlich komisch platzierte, Bierganrnitur in den Schlamm. "Bleib liegen bis der ganze Mist hier vorbei ist", dachte ich mir, "2 oder 3 Stunden Schlaf sind jetzt sowieso angebracht". Da packt mich aber schon eine Hand an der Schulter und probiert mich aufzurichten. "Nich noch mehr Gewalt bitte", flüsterte ich. Aber nein es war nicht mein Neo-Faschistischer Assi-Freund. Es waren zwei junge auf den ersten Blick nicht identifizierbare junge Frauen. Verdammt waren das Sanitäter? Oder wollten die Hundesöhne, die mich schon wieder ins Irrenhaus stecken. Meine Angst war unbeschreiblich. Sie schleppten meinen nur schwach mitarbeitenden Körper in Richtung Ausgang und von den verfluchten Weichei-Securities weiter weg in Richtung einer nahe gelegenen Wiese. Wollten diese Frauen mich vergewaltigen? Oh nein, ich glaube in dieser Rollenverteilung war das wohl kaum möglich. Sie legten mich auf den Rücken und nahmen mir eine völlig verbogene "High-Way-Polizisten-Sonnenbrille" ab. Wer zum Teufel waren diese Engel. Es stellte sich heraus das diese beiden Damen einfach nur Mitleid mit mir gehabt hatten und glaubten mit ihrer Handlung etwas mehr Liebe in diese Welt bringen zu können. "`Hippies?!`". "Na ja so was ähnliches.“ Mist schon wieder zu laut gedacht, aber sie lächelte. Gab es in dieser Grauen mit Atomkraft zum Strahlen brachten Menge noch wirklich gutherzige selbstdenkende Individuen? Ja! ich glaube schon. zumindest wollte eine der Beiden mir das wohl noch genauer bei ihr zu Hause erklären. Ich konnte nur willenlos zustimmen.
 
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5.09.2006
  Viel zu viel Fett
Was machen drei kaputte Musiker, wenn sie in eine Polizeikontrolle geraten? Sie spielen um ihr Leben. Manchmal haben nicht nur die dummen Glück, sondern auch die Dicken... und die Fetten...
Wir hätten gewarnt sein müssen, wir hätten uns verkriechen sollen an diesem verpissten Dienstag; auch gegen 16 Uhr der Versuchung aufzustehen widerstehen sollen. So wie an jedem anderen Tag. Wir hätten in unserem netten kleinen Drogennest hoch über Graz zu bleiben sollen, wo keine Bullen vorbei schneien und sich auch sonst niemand einen Dreck um zwei dicke Deutsche und einen kaum merklich weniger fetten Tiroler schert, die an einem wolkig grauen Mai-Nachmittag nur bekleidet mit Bademänteln und Bermudashorts im Vorgarten ihres Hauses sitzen und Billigbier aus Dosen trinken.
Wir hätten wissen sollen, dass wir an diesem Tag das Schicksal nicht herausfordern sollten. Der Blick in den Kühlschrank war eine letzte Warnung gewesen: 4 Scheiben Toastbrot, eine halbe Tube Estragonsenf und eine leere Dose Tunfisch...
Wie auch immer, der gähnend leere Kühlschrank hätte als deutliches Zeichen der herannahenden Katastrophe gedeutet werden sollen. Wir hätten uns duschen, anziehen und die 1,4 Kilometer zum nächsten “Nah und Frisch”-Markt wandern sollen, dort das wichtigste einkaufen (Eine Flasche Jacky, eine diesmal volle Dose Tunfisch und Kartoffelpüree in Pulverform) und einen ganz normalen Tag verleben sollen. Musik machen, Bier trinken, TV Schauen und was man eben sonst noch so tun kann, wenn man sich erfolgreich davon abhalten will zu studieren.
Natürlich überhörten wir den Schrei des Schicksals geflissentlich, statt zu duschen, zogen wir die Bademäntel etwas enger und beschlossen im Vorgarten eine lustige kleine Sauf-Leutebeschimpf-Party abzuhalten. Das ganze endete in einem handfesten Streit mit Blumenkohlnasen-Edi, der sich zu unrecht als Säufer beschimpft fühlte. Die Tatsache, dass drei fette Kerls in Bademänteln und mit Bierdosen in der Hand diese Schmähungen ausriefen, mag zur Eskalation beigetragen haben. Im Nachhinein war das jedoch ziemlich schwer zu ergründen. Jedenfalls machte sich Blumenkohlnasen-Edi schnell von dannen, als die ersten leeren Bierdosen wie Hagel auf ihn niedergingen und der fast unmerklich weniger fette Tiroler mit dem Satz: “Ikch chol jetza mei Pampgan und schiaß dem Orsch die Spekchbakchen weg.” im Haus verschwand.
Von unserem Blitzkriegsieg beflügelt fanden der dicke Bassist und ich, dass es jetzt an der Zeit sei, den Gitarristen anzurufen, damit er uns runter in die Stadt ins Studio fahren kann. Der kaum merklich weniger fette Tiroler hatte es vorgezogen, sich in sein Zimmer zurückzuziehen und sich mit einem Modem Pornobilder aus dem Internet zu ziehen.
Gegen halb sieben vernahmen wir die typischen Geräusche qualmenden Gummis, die in der Regel von der Ankunft des Gitarristen kündigen. Wir packten unsere Sachen (Papers, Tabak, Bass, Bier und Notenständer) und pflanzten uns in den hässlich grünen Rover, den der Gitarrist aus irgendeinem völlig abstrusen Grund zu lieben schien. Hinten im Kofferraum warteten bereits seine Gitarre und die Fat-Man, eine Bong von geradezu bombastischen Ausmaßen. Es versprach ein völlig normaler Abend zu werden.
Wir fuhren die steilen Serpentinen hinunter nach Graz und schnurstracks in Studio, wo uns der Techniker und seine Freundin bereits erwarteten. Die Probe begann standesgemäß mit einer Runde aus der Fat-Man. Das war gerade noch rechtzeitig, denn auf dem Hinweg hatte ich begonnen, mir Gedanken über meinen Lebenswandel in den letzten Monaten zu machen. Mich plagte ein schlechtes Gewissen, weil ich Freunde vernachlässigt, Menschen beleidigt und meine Familie um die Studiengebühren betrogen hatte. Da kam die Fat-Man gerade rechtzeitig. Danach ist mit dem Denken erstmal Essig. Auch der Gitarrist nahm einen kräftigen Zug aus der Bong. Die Probe konnte beginnen...
Es muss wohl so gegen zwei Uhr in der Früh gewesen sein, als ich von meinem Klavier hochschreckte und zwischen zwei Flaschen slovenischen Biers erstaunt feststellte, dass der Bassist und der Gitarrist bereits ihre Instrumente in die Koffer gepackt und die Sonnenbrillen aufgesetzt hatten. Ich machte ein Geräusch, dass entfernte Ähnlichkeiten mit einem Tropfen Wasser hat, der in einem leer Badewanne platscht. Und packte meine Noten zusammen. Wir nahmen noch mal eine Runde aus der Fat-Man, kauften dem Techniker noch den letzten Shit ab und machten uns dann auf die Heimfahrt.
Nichts ist besser, als breit wie eine Flunder nächtens durch eine Stadt zu fahren. Das Gefühl der Freiheit war grenzenlos. Bis zu dem Moment kurz vor dem Krankenhaus, als der Gitarrist seinen Rover ohne für mich erkennbaren Grund auf den Gehsteig setzte.
“Ihr haltet die Schnauze, was immer auch passiert”, zischte der Gitarrist und verschwand in der Dunkelheit. Ich hörte gedämpfte Stimmen und drehte mich um. Zwei Polizisten kamen auf unseren Wagen zu. Der Bassist stellte augenblicklich die Atmung ein und auch ich konnte nicht umhin meine Gedanken um die 5 Gramm Shit kreisen zu lassen, die sich in meinem Stiefel befanden. Von der ungefähr einen halben Meter großen Bong im Kofferraum ganz zu schweigen.
“Kofferraum aufmachen”, tönte es in einer mir unbekannten Stimme. Wir waren so gut wie aufgeflogen und das THC in meinem Kreislauf trug das seine zum allgemeinen Paniklevel bei. Die Fat-Man kann man einfach nicht übersehen. Ich überlegt kurz, ob ich aus dem Auto springen und davon laufen sollte, aber ich war viel zu breit, um mich schneller als ein Tattergreis zu bewegen. Die Kofferraumtüre öffnete sich. “Was ist da drin?”, hörte ich die gleiche Stimme. Der Bassist schwitzte nicht mal mehr vor lauter Angst. “Da is meine Gitarre drin, ich bin Gitarrist, soll ich euch was vorspielen?” Der Gitarrist hatte alles auf eine Karte gesetzt. Drei bluntzenfette Musiker in einem Rover voller Dope und einer Fat-Man im Kofferraum standen bereits mit einem Fuß im Knast. Die folgende Pause muss nur Sekunden gedauert haben, aber ich habe noch nie einen derart langen Zeitraum erlebt. Plötzlich schlug die Kofferraumtür zu und einen Moment später stieg der Gitarrist ein, startete den Motor und wir fuhren weiter in die Nacht. Den ganzen Weg bis zu unserem Haus sagte niemand ein Wort. Keiner konnte ernsthaft begreifen, dass wir davongekommen waren.
Oben in unserem sicheren Haus angekommen, feierten wir den Sieg über die Staatsmacht mit einer weiteren Runde aus der Fat-Man und den beiden angebrochenen Bierdosen, die noch im Kühlschrank standen. Der nur unmerklich weniger fette Tiroler hing immer noch im Internet. (raf)
 
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4.22.2006
  Schlag mit Sahne oder mit Atom?
Bestimmte Temperaturregionen auf der Erde scheinen ungünstig für die Informationsverarbeitung im Gehirn zu sein. Südlich einer Linie, die irgendwo durch Spanien, Italien und die Türkei läuft, scheinen die Bedingungen besonders schädlich zu sein. Dort legen sich Männchen gerne auch mal mit überlegenen Gegnern an…
Gut, man hat es schon gehört, und niemand, wirklich niemand war davon überrascht: die USA haben bereits 2002 detaillierte Pläne für eine Invasion im Iran angefertigt. Streng nach der Formel, nach der das Interesse der Amerikaner, einem Land den Frieden und die Freiheit zu bringen, proportional zu dessen Ölvorkommen ist, wird nun ein planetares Ressourcengebiet nach dem anderen abgehakt – Gähn.
Merkwürdig ist dagegen nur, wie die bedrohten Länder darauf reagieren. Ich nicke nach meinem fünften Whisky in der Sonne ein und beginne ziemlich unverschlüsselt zu träumen… Ich bin acht Jahre alt, und hasse meinen Nachbarsjungen von ganzem Herzen. Als ich einen Bekannten frage, ob ich seine Boxhandschuhe mit Stahleinlagen leihen könne, kommt plötzlich der gesamte (!) Elternbeirat des Ortes und fragt mich mosernd, schimpfend und herausfordernd, was ich denn mit diesen Handschuhen wolle. Wie soll ich reagieren? Plötzlich bin ich Mahmut Ahmadinedschad, und ich schreie die versammelten Eltern von unten herauf an:
Scheiße das geht Euch überhaupt nichts an! Ihr Schwächlinge könnt mir sowieso gar nichts! Dieser Schweinepriester von Nachbar hat’s doch nicht anders verdient! Ich werde ihn zu Tode prügeln, auslöschen, vernichten, dem Erdboden gleich machen! Dass sein Vater ihn vor Jahren misshandelt hat, hat er nur erfunden damit Ihr ihn schützt, seht Ihr das denn nicht?? Er ist eine Missgeburt, die von der Erde getilgt werden muss! Übrigens hab ich jede Menge Freunde in der Grundschule, die Eure Holunderbüsche im Garten anzünden werden, wenn ich es von Ihnen verlange, und die neue Vergeltungsrakete ist auch schon fertig, leider hat sie noch keinen Atom…ups. Jedenfalls ist es sonnenklar, dass wir die Boxhandschuhe nur wollen, weil es hier im Winter immer so schrecklich kalt ist, und keinesfalls, um diesen verachtenswerten, widerlichen Hundesohn von einem Drecksnachbarn – auf den wir spucken – anzugreifen. Habt Ihr kapiert??
Eine Sekunde später beginne ich mich zu fragen, warum ich das gesagt habe…ich wache auf. Zum Glück ist der Whisky noch nicht leer, einer geht sicher noch. Ich schütte mir einen kleinen in meinen tauben, durstigen Hals. Warum tut jemand so etwas? Liegt es daran, dass der kleine Mahmut in der Terrorschule das Hauptfach Sprengstoffkunde hatte und deshalb das diplomatische Fingerspitzengefühl einer Metallfräse besitzt? Hätte er glaubwürdig dementiert, oder zumindest VERSUCHT, glaubwürdig zu dementieren, dass er die Bombe will, hätte er der verweichlichten EU zumindest ein Hintertürchen gelassen, um sich gegen diesen Krieg auszusprechen. Aber so? Will er die direkte Konfrontation? Ist er so größenwahnsinnig und dumm zu glauben, dass er es mit der gesamten westlichen Welt, allen voran einem wahnsinnigen religiösen Fanatiker, der selbst nichts anderes im Sinn hat, als den unchristlichen Nahen Osten in einem heiligen Feuer einen Vorsprung zur Apokalypse zu verschaffen, aufnehmen kann?
Die Wahrscheinlichkeit, dass unsere Generation in den nächsten drei Jahren Nachfolger von Hiroschima und Nagasaki erlebt, ist beträchtlich. Bush ist verrückt genug, um sofort auf den Knopf zu drücken, NOCH hält ihn die eigentliche Regierung der USA davon ab. Ein weiterer konventioneller Krieg parallel zum anhaltenden Irakdesaster würde die USA extrem belasten und schlechte Ergebnisse liefern – wieder tote Soldaten, davon ein Drittel durch friendly fire, Wochen und Monate der Belagerung, Terror, nix mission accomplished, lachende und kopfschüttelnde Europäer, Chinesen und Russen. Schlecht fürs Image. Atomwaffen stehen eh seit Jahrzehnten nur rum, kosten Geld und bringen nix. Eine schnelle, zur Ikone taugende Waffe, der manifestierte heilige Zorn Gottes – der selbe Grund warum auch Ahmadinedschad diese Waffe will – und fern genug der Heimat, um sich einzubilden, der radioaktive Dreck bliebe dort, wo man ihn abwirft. Es ist erwiesen, dass selbst Saharastaub, der von Fahrzeugen hochgewirbelt wird, es bis nach Nordamerika schafft, so dass wir zumindest die Gewissheit haben, dass die amerikanischen Kindern an den selben Krankheiten verrecken werden wie unsere – ob der Dreck aus amerikanischen Bomben im Iran oder iranischen Bomben in Israel kommt, macht für uns keinen Unterschied. Dass die Iraner, die Israelis und die Amerikaner inzwischen in den Punkten Ideologie und Radikalität ununterscheidbar geworden sind, macht auch die Wahl der Partei beliebig. Ich wache nochmals auf und genieße die eine Sekunde, in der ich mir einreden kann, ich hätte nur geträumt, von Wahnsinnigen umzingelt zu sein. (foz)
 
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Was ist "die Wahrheit"?
Medien? - Wirschaftsunternehmen mit Newswerten, Redaktionen und (ihgitt) Ethik. Nicht zu vergessen politische Leitlinien, Leserbindung und andere Konformismen. Wir schwimmen nicht mit. Der Journalismus ist tot. Es lebe der Journalismus

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